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Carla Berling

Ich freue mich heute Carla Berling zum Interview in der ABS-Lese-Ecke begrüßen zu können.
Carla Berling schreibt seit Jahren und hat schon eine stattliche Anzahl von Büchern herausgebracht.

Guten Tag, Carla Berling.

Hallo, Dein Interesse an einem Gespräch freut mich sehr! 

Du hast ursprünglich mal als Journalistin und Reporterin für Tageszeitungen gearbeitet. Hast du das
so richtig klassisch gelernt, mit Studium und Volontariat?

Nein, ganz im Gegenteil! Mitte der neunziger Jahre wollte ich ein Buch schreiben, weil mein Mann
und ich so arm waren, dass wir unsere Rechnungen nicht bezahlen konnten und uns die Heizung
abgestellt wurde. Im November. Unsere Kinder waren noch sehr klein, es war bitterkalt, und wir
haben die Küche mit dem offenen Backofen geheizt.

Damals beschloss ich, ein Buch zu schreiben, einen Bestseller natürlich. Den wollte ich etwa 6
Monate später fertig haben, und ich war naiv genug, daran zu glauben, dass ich dann alle
Rechnungen würde bezahlen können. 300 Seiten waren schon fertig, bis ich zugeben musste, dass
ich dilettantischen Mist geschrieben hatte und erst mal schreiben lernen musste.

Und so bewarb ich mich bei unserer Tageszeitung und – und lernte mein Handwerk als Seiteneinsteigerin.
Bis das Buch, an dem ich mich zuerst versucht hatte, als Roman „Die Rattenfänger“ in einem
Verlag erschien, vergingen dann lange 17 Jahre. !

Seit 2002 trittst du als Buchautorin in Erscheinung. Was gab den Anstoß zu deinem ersten Buch?

Die Antwort ist in der Antwort zur ersten Frage enthalten 🙂 

Du hast ein mehr oder weniger autobiografisches Buch über den Strukturvertrieb „Die
Rattenfänger“ geschrieben. Ist das so eine Art Abrechnung mit deinem früheren Arbeitgeber?

Nein, eine Abrechnung ist das keinesfalls. Es ist eher die Entlarvung einer Branche, die
schonungslos mit den Träumen und Eitelkeiten der Menschen spielt. 

Deine kabarettistischen Werke „Jesses Maria“ gibt es als Bücher, du gehst damit aber auch auf Tour.
Verarbeitest du da auch eigene Erlebnisse oder ist das alles frei erfunden?

Das ist eine Mischung aus Fiktion, eigenen Beobachtungen und Erlebnissen und Geschichten, die
andere mir erzählen. Meist passe ich nur auf, was um mich herum passiert. Ich schaue den Leuten
aufs Maul, und ich ich habe ein gutes Gedächtnis. Irgendwie werden banale Alltagtäglichkeiten
dann plötzlich zu kabarettistischen Texten. Naja, nicht irgendwie, ein bisschen Humor, Handwerk
und Fleiß gehören auch dazu. 

Zur Abwechslung hast du dann die Krimi-Reihe „Sonntags Tod“ ins Leben gerufen :-). Der erste
Band ist schon erschienen, der zweite wird demnächst herauskommen. Was hat dich dazu gebracht
‚Krimis zu schreiben?

Sowohl „Die Rattenfänger“ als auch „Im Netz der Meister“ sind eigentlich Krimis – und sie sind
zugleich Entwicklungsromane.

In „Die Rattenfänger“ geht es um kriminelle Machenschaften in den
Strukturvertrieben diverser Finanzkonzerne, in den Romanen „Im Netz der Meister“ gerät eine Frau
durch das Internet in die SM-Szene und durch ihre Naivität auch in höchste Gefahr.
Der Krimi gibt mir Freiheit: Ich kann jedes Thema, das mir unter den Nägeln brennt, darin
verarbeiten; von Mord über Betrug, Gier, Eifersucht ist die ganze Palette der Menschlichkeit
möglich. Im Kriminalroman kann ich mich um die Geschichte hinter der Schlagzeile kümmern.

In meinem neuen Buch, das in wenigen Wochen erscheint, lautet die Schlagzeile: „Frau von
Kehrwagen erfasst und getötet!“ Die Geschichte dahinter handelt von drei alten Damen, die
innerhalb kürzester Zeit eines unnatürlichen Todes sterben – und von der Reporterin Ira, die
herausfindet, dass ein schreckliches Geheimnis die drei jahrzehntelang verbunden hat.
Die Figur Ira Wittekind, die in „Sonntags Tod“ zum ersten Mal auftaucht und Protagonistin der
Krimi-Reihe ist, kann überall und in jedem Milieu agieren. Das ist eine große Herausforderung und
für mich spannendes, abwechslungsreiches Arbeiten. 

Und dann hast du noch die beiden Romane „Im Netz der Meister“ und „Im Netz der Meister 2“
geschrieben. Kannst du uns kurz erzählen, um was es dabei geht? 

Ja, gern.
Die Romane habe ich von 2005 – 2008 geschrieben. Das Internet funktionierte also noch ein
bisschen anders als heute 🙂
Eine Frau gerät durch einen falschen Klick im Internet in einen Erotik-Chat. Ihr bis dahin
geordnetes, bürgerliches Leben gerät aus den Fugen, als ein Fremder sie virtuell in die ihr
unbekannte SM-Welt entführt. Der Klappentext des Buches beschreibt die Handlung exakt:
In lustvollen Fantasien erlebt sie, was sie im Alltag verabscheut: Unterdrückung, Demütigung und
Schmerz. Da sie verheiratet ist, dürfen diese Träume niemals Realität werden. Es soll nur ein Spiel
sein, Abwechslung vom täglichen Einerlei. Doch ihre guten Vorsätze verschwinden, als sie im Netz
dem attraktiven, dominanten Boris begegnet. Sie verbringt eine erregende Nacht mit ihm, die sie
verwirrt zurücklässt. Simone zweifelt an ihren Gefühlen, kann sich ihr plötzliches Verlangen nach
Dominanz nicht erklären, und sie fragt sich, ob es tatsächlich das ist, was sie will. Nur eins weiß sie
genau: dass sie diese Lust, die sie mit Boris erfahren hat, wieder erleben muss. Obwohl von
Schuldgefühlen und Selbstzweifeln gequält, verbringt sie Stunde um Stunde im Internet,
vernachlässigt Geschäft, Familie, Freunde, knüpft immer neue Kontakte zu dominanten Männern
und lässt sich mit einigen von ihnen auf Sessions ein. Ohne zu bemerken, dass sie sich selbst mehr
und mehr verliert, lässt sie sich von ihrem Verlangen treiben, riskiert immer mehr, bis sie eines
Tages an einen Mann gerät, der sie ihren Leichtsinn bitter büßen lässt. 

Bis 2013 hast du deine Bücher bei verschiedenen Verlagen herausgebracht. Seitdem veröffentlichst
du als Self-Publisher. Das ist ja nun ungewöhnlich. Die meisten Autoren sind erst Self-Publisher
und finden dann einen Verlag. Warum hast du diesen Schritt gemacht?

Richtig, sechs meiner Bücher sind in Verlagen erschienen. Es waren kleine Verlage, meist ohne
nennenswertes Budget für Werbung. Daraus ergab sich stets dasselbe Problem: Wer sollte meine
Bücher kaufen, wenn niemand wusste, dass es sie gab?
Ich habe also Werbung, Marketing, Lesungen, Videoclips, Flyer, Fotos, Plakate, Presseanzeigen und
etliches mehr selbst in die Hand genommen. Und ich habe meistens im Jahr nicht mehr als
dreistellig verdient. Wir reden wirklich von weniger als 1000 Euro brutto im Jahr. Und manchmal
habe das Geld nicht mal bekommen …
Ich lebe fürs schreiben, ja, ich will Geschichten erzählen, immer und immer wieder, ich kann gar
nicht anders. Aber ich konnte und wollte nicht länger zusehen, wie Buch für Buch in der
Versenkung verschwindet. 

Welche Erfahrungen hast du als Self-Publisher gemacht? 

Nur gute. Die „Jesses Maria-Reihe“ habe ich von Anfang an bei BOD veröffentlicht. Ich hatte alles
selbst in der Hand: Cover, Titel, Klappentext, Inhalt, Erscheinungsdatum, Vermarktung.
Und plötzlich verdiente ich monatlich, nicht mehr jährlich. Das hat mir gefallen – und es gefällt mir
noch. 

Was würdest du jungen Autoren empfehlen – direkt als Self-Publisher zu starten oder lieber erst mal
einen Verlag zu suchen? 

*lacht* Einen Verlag suchen – genau das kann man tun. Ihn suchen. Die Chance, ihn zu finden, ist
gleich Null. Ich würde jedem jungen Autor empfehlen, zu lernen, zu lernen und zu lernen.
Das geht nur – und wirklich nur durch lesen, lesen und lesen.
Es muss zudem klar sein, für wen man schreibt. Für sich selbst? Für Freunde und Verwandte? Oder
für die Öffentlichkeit?
Im dritten Fall muss man, wenn das Manuskript fertig ist, in ein Lektorat investieren. Leser – und
um die gehts ja – nehmen Fehler sehr übel und geben dem Autor eines schlecht korrigierten und
lektorierten Buches keine zweite Chance.
Es gibt etliche Modelle und viele Wege, ein Manuskript zu veröffentlichen, das Internet ist voll von
Angeboten und von den Erfahrungen erfolgreicher Autoren.
Ich hörte neulich von einer Verlagsangestellten, dass Verlage heute Rechercheteams beschäftigen,
die auf der Suche nach vielversprechenden Selfpublishern sind.
Ich denke, das ist der neue Weg. 

Auf deiner Homepage habe ich den Eindruck gewonnen, dass du viel zu Lesungen unterwegs bist.
Das würdest du ja sicher nicht tun, wenn du dann vor drei, vier Leuten lesen müsstest. Wie
bekommst du das Publikum für deine Lesungen? 

Dafür sorgen die Veranstalter, die mich zu Lesungen engagieren. Sie zahlen mir ein Honorar und
finanzieren die Kosten über den Eintritt.
Ich beteilige mich an der Werbung mit Flyern, Pressetexten, Plakaten und Fotos. Zudem
veröffentliche ich die Termine bei Facebook (über 7700 Fans), auf meiner privaten Facebook-Seite
(ca 1600 Kontakte), auf meiner Homepage, über meinen Newsletter, bei Twitter und bei Amazon.
Ich erreiche damit insgesamt ca 15.000 Leute.
Das war aber nicht immer so, ich bin ja schon seit vielen Jahren „auf Tour“. Früher habe ich fürs
Fahrgeld gelesen, und manchmal waren nur 5 Leute da. 

Hast du überhaupt noch Zeit selber zu lesen? Wenn ja, was liest du? 

Natürlich! Ich lese etwa 6 Bücher im Monat. Abends im Bett lese ich meistens Krimis, zurzeit habe
ich den Isländer Arnaldur Ingridason für mich entdeckt. Tagsüber ist meine Lektüre von meinen
Recherchen geprägt, zurzeit beschäftige ich mich zum Beispiel mit den Kindern der Kriegskinder
und den psychosozialen Folgen ihrer Erziehung. 

Hast du literarische Vorbilder? 

Ich würde gern schreiben können wie Colum McCann oder Irene Dische. 

Gibt es schon weitere Pläne, außer der Fertigstellung des zweiten Bandes deiner Krimi-Reihe? 

Natürlich! Im Juli soll der zweite Krimi erscheinen, danach werde ich den dritten schreiben. Und
dann den vierten. Ein neuer Band „Jesses Maria“ wird Mitte 2015 erscheinen.
Außerdem plane ich, alle meine Bücher als Hörbücher einzulesen.
Und auf Lesereise gehe ich ab September auch wieder.

Vielen Dank für das Interview, Carla Berling. Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg mit deinen
Büchern. 

Ich habe zu danken, es hat Spaß gemacht, die Fragen zu beantworten. Viele liebe Grüße aus Köln.

About

Schon in frühester Jugend war ich eine notorische Leseratte und das ist auch so geblieben. Ein Bücherblog war da nur die logische Konsequenz :-) Ich habe es aber nicht beim Lesen belassen, sondern schreibe auch selber. Bisher sind einige Kurzgeschichten von mir erschienen. Da ich davon alleine aber nicht leben kann, schreibe ich auch Texte für Andere. Das Spektrum reicht von Content für Webseiten über Texte für Flyer bis zu Broschüren und Handbüchern. Außerdem arbeite ich als Lektorin und übersetze ich aus dem Englischen ins Deutsche. Wenn du also einen Text, ein Lektorat oder eine Übersetzung brauchst, nimm mit mir Kontakt auf: mail@abs-textandmore.com

3 Replies to “Interview mit der Autorin Carla Berling”

  1. Elisabeth van Langen sagt:

    Ein schönes Intervie mit Carla Berling, die zu meinen Favoriten zählt. Mit der neuen Krimireihe ist ihr ein besonderer Leckerbissen für Krimifans gelungen.

    1. Ann-Bettina Schmitz sagt:

      Hallo Elisabeth,
      ich finde Carla Berling auch eine sehr interessante Persönlichkeit. Das Interview mit ihr hat echt Spaß gemacht. Die neue Krimireihe kenne ich noch nicht. Aber was nicht ist, kann ja noch werden 🙂
      Viele Grüße
      Ann-Bettina

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