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Die beiden Freunde Ace und Hamlet, zwei Miniatur-Bullterrier, waren wie jeden Nachmittag mit einigen anderen Hunden und ihren Menschen unterwegs. Heute führte der Spaziergang durch den Wald. Da die Zweibeiner in eine angeregte Diskussion verwickelt waren, hatten die beiden sich in die Büsche geschlagen. Interessiert schnüffelnd stromerten sie durchs Unterholz und hatten sich schon ein gutes Stück vom Weg entfernt. Plötzlich blieb Hamlet stehen und hob lauschend den Kopf.
»Hör mal, was ist denn das?«
»Was denn? Rufen sie nach uns?«, fragte Ace.
»Ach was, die haben noch gar nicht gemerkt, dass wir nicht mehr in ihrer Nähe sind. Aber hör mal, da ist so ein Fiepen«
Jetzt hob auch Ace den Kopf und lauschte konzentriert.
»Das klingt wie ein Welpe. Ich habe hier aber keine frischen Hundespuren gerochen«, meinte er dann. »Lass uns doch mal nachsehen gehen.«
Immer wieder stehenbleibend, schnüffelnd und lauschend trotteten sie in die Richtung, aus der das Geräusch kam. Sie waren fast an dem großen parallel verlaufenden Waldweg angekommen, als der vorne laufende Ace stehenblieb und verblüfft murmelte: »Ach du Schreck, da liegt ein Wurf Junge.« Hamlet drängelte sich an ihm vorbei und suchte, mit der Schnauze auf dem Boden, die Umgebung ab.
»Aber wo ist die Mutter? Ich rieche hier nur Menschenspuren, die sind aber auch schon Stunden alt«, sagte Hamlet verwirrt.
Ace hatte sich in der Zwischenzeit den Welpen genähert, die sich direkt zitternd an ihn drängten. Langsam hatte er sich zwischen ihnen niedergelassen, während sie vergeblich bei ihm nach Zitzen suchten.
»Diese Würmchen hat bestimmt ein Zweibeiner hier hingebracht. Ich habe bei meinen Menschen davon gehört. Aussetzen nennen die Zweibeiner das, Mord an Kindern nenne ich es«, knurrte Ace.
»Was machen wir denn jetzt?«, fragte Hamlet.
»Geh unsere Menschen holen. Die Kleinen hier sind doch vollkommen ausgekühlt und halb verhungert. Die brauchen schnell Hilfe.«
Er fing an, die Welpen vorsichtig abzulecken. »Ich bleib so lange hier. Füttern kann ich die Kids zwar nicht, aber wenigstens wärmen.«
Mit einem »Okay, mach ich«, trabte Hamlet den Weg zurück. Schon von weitem konnte er die wütenden Rufe seiner und Ace Besitzerin hören.
»Ich muss echt aufpassen, dass sie mich nicht fangen und an die Leine nehmen«, dachte Hamlet. »Einen ausgewachsenen Menschen gegen seinen Willen irgendwo hin ziehen, ist auch für einen Mini-Bullterrier wie mich schwierig. Manchmal wäre es doch gut, so groß und stark zu sein, wie die großen Verwandten.«
Jetzt war Hamlet von seiner Besitzerin entdeckt worden. Sie näherte sich ihm schimpfend. Haken schlagend entwischte er ihr immer wieder und versuchte sie, in die Richtung zu lenken, aus der er gekommen war.
»Wo ist denn Ace abgeblieben?, fragte dessen Besitzerin erstaunt. Jetzt hatten auch die anderen mitbekommen, dass Hamlet alleine wiedergekommen war. Der sprang weiter bellend hin und her.
»Ace wird doch nichts passiert sein?, fragte einer.
»Was soll dem denn passiert sein? Der findet bloß mal wieder den Rückweg nicht«, meinte seine Besitzerin wütend.
»Jungs, nun helft mir doch mal«, wandte Hamlet sich jetzt an die übrigen Hunde. »Wir müssen unbedingt zu Ace. Der bewacht einen Wurf ausgesetzte Welpen. Aber die Zweibeiner kapieren ja mal wieder nichts.«
Jetzt zogen auch die beiden großen Mischlinge energisch in Hamlet Richtung.
»Nun lasst uns doch einfach mal sehen, wo die Hunde hin wollen. Wir müssen doch sowieso Ace suchen«, meinte einer der Besitzer.
»Na endlich ein Mensch mit ein bisschen Verstand«, dachte Hamlet und rannte los. Die beiden anderen Hunde zogen ihre Besitzer energisch hinterher. Stolpernd und schimpfend folgten die Menschen den Hunden. Schließlich waren sie bei Ace angekommen. Der Erste blieb erschrocken stehen, die anderen wären fast in ihn hineingerannt.
»Das gibt es doch gar nicht«, murmelte seine Besitzerin. »Mein Ace als Hunde-Mama.«
Alle kamen nun neugierig näher und bildeten einen Kreis um Ace und die Welpen. Hamlet Besitzerin zückte das Handy und machte Fotos.
»Wir sollten die Polizei rufen.«
»Das Schwein, das die Tiere hier ausgesetzt hat, kriegen die doch sowieso nicht.«
»Vor allem müssen die Welpen zum Tierarzt und gefüttert werden«
Nach einigem weiteren Hin und Her wurde eine große Tasche leer geräumt und die Welpen dort hineingelegt. Sie fingen fürchterlich zu jammern an, als sie von ihrer Ersatz-Mamma Ace getrennt wurden.
Einer der Hundebesitzer hatte doch die Polizei angerufen. Die wollte der Gruppe auf dem großen Waldweg entgegenkommen.
Schließlich traf der Streifenwagen ein. Ace, Hamlet, ihre Besitzerinnen und die Welpen wurden eingeladen und zum diensthabenden Tierarzt gefahren. Während der Fahrt nahmen die Beamten die Aussagen auf. Am nächsten Tag erschien in der Lokalzeitung ein Artikel: »Miniatur-Bullterrier retten Hundebabys«.

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Schon in frühester Jugend war ich eine notorische Leseratte und das ist auch so geblieben. Ein Bücherblog war da nur die logische Konsequenz :-) Ich habe es aber nicht beim Lesen belassen, sondern schreibe auch selber. Bisher sind einige Kurzgeschichten von mir erschienen. Da ich davon alleine aber nicht leben kann, schreibe ich auch Texte für Andere. Das Spektrum reicht von Content für Webseiten über Texte für Flyer bis zu Broschüren und Handbüchern. Außerdem arbeite ich als Lektorin und übersetze ich aus dem Englischen ins Deutsche. Wenn du also einen Text, ein Lektorat oder eine Übersetzung brauchst, nimm mit mir Kontakt auf. mail@abs-textandmore.com
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