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Foto des Autors Andreas Brandhorst

Heute habe ich nach langer Zeit mal wieder einen Science-Fiction Autor zu Gast.

Guten Tag Andreas Brandhorst.

Anfang nächsten Monats wird dein neuestes Buch „Eklipse“ erscheinen. Erzähl uns doch etwas darüber.

Cover des Romans "Eklipse"

Zunächst einmal: Ich trage gewissermaßen zwei Autorenseelen in mir, eine für Science Fiction und die andere für Thriller beziehungsweise zeitgenössische Romane. Normalerweise wechsele ich mich ab, einem Science-Fiction-Roman folgt ein Thriller und umgekehrt. Das funktioniert ziemlich gut, so als würden zwei Arten von Kreativität angesprochen: Während ich einen SF-Roman schreibe, geht der Thriller-Autor in mir auf Ideenfang, und während der Arbeit an einem Thriller schweift der SF-Autor durch die Weiten des Kosmos.
Dieses Jahr 2019 ist ein besonderes Jahr für mich, denn es erscheinen gleich drei neue Romane von mir im Piper Verlag. Es ist deshalb sehr ungewöhnlich, weil ich langsam schreibe, zwischen 3 und 6 Seiten am Tag, und da meine Romane meistens sehr lang sind, zwischen 650 und 800 Manuskriptseiten, besteht das Ergebnis aus nicht mehr als etwa anderthalb Romanen pro Jahr.
Mein erster neuer Roman in diesem Jahr ist – du hast den Titel bereits genannt – »Eklipse« und erscheint am 4. Juni. Darin geht es um ein interstellares Raumschiff, das nach langer Reise zur Erde zurückkehrt und eine völlig veränderte Welt vorfindet. Außerdem stellt die Crew fest, dass sie ein Spike an Bord hatte, die gefährlichste Lebensform der Galaxis, dazu imstande, einen ganzen Planeten innerhalb weniger Tage zu kontaminieren. Die Besatzung der »Eklipse« muss das Rätsel um die veränderte Erde lösen und versuchen, das Spike unschädlich zu machen.

Aber du schreibst nicht nur Science-Fiction. Im Sommer wird „Das Flüstern“, ein Thriller rund um einen achtjährigen Jungen erscheinen. Der Klappentext klingt ziemlich gruselig – der Junge hört eine wispernde Stimme, die von dubiosen Forschern sichtbar gemacht werden soll. Wie kommst du auf so etwas?

Cover des Thrillers "Das Flüstern"

Der Thriller »Das Flüstern« erscheint am 5. August, und darin geht es um einen autistischen Jungen. Mich fasziniert die menschliche Psyche, die kolossale Größe und Vielfalt der menschlichen Erfahrungs- und Empfindungswelt. Ich habe mich lange mit Autismus beschäftigt, und dabei reifte schließlich eine Idee heran, die zu diesem Roman führte. Es geht um einen Jungen, der glaubt, einen Schutzengel zu haben, und da scheint tatsächlich etwas dran zu sein …

Im Dezember wird dann wieder ein Science-Fiction-Roman „Das Netz der Sterne“ herauskommen. Um was geht es in diesem Roman?

Cover des Romans "Das Netz der Sterne"

»Das Netz der Sterne« erscheint am 2. Dezember, passend zum Weihnachtsgeschäft und gemütlichen winterlichen Leseabenden. 🙂 Es ist ein großes kosmisches Abenteuer, so wie ich sie liebe, mit der ganzen Galaxis als Bühne des Geschehens. Es geht um eine junge Frau namens Tess, eine begnadete Sängerin, die sich nichts sehnlicher wünscht als ein Studium an der Musikakademie auf dem Planeten Harmonie. Doch die Schulden ihrer Familie zwingen sie, für Interkosmika zu arbeiten, einen Konzern, der das Monopol auf die interstellare Raumfahrt besitzt: Als Kartografin muss sie unbekannte Raumsektoren erforschen, in denen vor ihr nie ein Mensch gewesen ist. Dabei findet sie etwas, das ihr Leben in eine ganz neue Bahn lenkt und das Schicksal der Menschheit bestimmen könnte.

Du hast bisher Science-Fiction Romane in zwei Reihen herausgebracht: „Omni“ und „Das Kantaki-Universum“. In beiden Reihen gibt es auf der Erde Katastrophen. Bist du ein Pessimist?

Ich möchte das präzisieren, wenn du gestattest. Die Handlung einiger meiner Science-Fiction-Romane findet im selben Universum statt. Meine Webseite gibt Auskunft darüber, und zwar unter der Rubrik »Meine Bücher«. Die beiden Kantaki-Trilogien sind im »Kantaki-Universum« angesiedelt, die Romane »Omni« und »Das Arkonadia-Rätsel« im »Omniversum«. Doch in den meisten Fällen schreibe ich Einzelromane, jeder von ihnen mit seiner eigenen Welt. Dass dabei manchmal Katastrophen auf der Erde stattgefunden haben – oder die Erde gar zu einem Mythos geworden ist, zu einer von den Menschen, die sich in der Milchstraße ausgebreitet haben, vergessenen Welt – macht mich nicht unbedingt zum Pessimisten, eher zum Realisten. Die Menschheit geht tatsächlich auf eine große Katastrophe zu, die sich vielleicht gar nicht mehr vermeiden lässt, weil wir bereits den »point of no return« erreicht haben. Ich meine den Klimawandel, dessen Konsequenzen noch immer unterschätzt werden – er könnte weite Teile unseres Planeten unbewohnbar machen und eine Völkerwanderung auslösen, die weit, weit über das hinausgeht, was wir derzeit erleben.

Mitte letzten Jahres ist die Neuauflage des Romans „Das Schiff“ bei Piper erschienen. Für diesen Roman hast du im Jahr 2016 gleich zwei Preise bekommen: Den „Deutschen Science Fiction Preis“ und den „Kurd Laßwitz Preis“. Wer vergibt diese Preise?

Der »Deutsche Science Fiction Preis« wird seit 1985 jährlich vom SFCD (Science Fiction Club Deutschlands) für den besten Roman und die beste Kurzgeschichte des jeweiligen Jahres vergeben. Ein zehnköpfiges Preiskomitee entscheidet über die Vergabe des Preises, der übrigens die einzige dotierte Auszeichnung für SF-Literatur in Deutschland ist.
Der »Kurd Laßwitz Preis« wird seit 1980 nach dem Vorbild des amerikanischen Nebular-Awards von den »Machern« der deutschen Science Fiction per Abstimmung verliehen, von professionellen Autoren, Übersetzern, Herausgebern, Verlegern, Lektoren, Grafikern und Fachjournalisten.

Neben der klassischen Science-Fiction schreibst du auch Romane über die mögliche technische Entwicklung auf der Erde in näherer Zukunft. Dein Roman „Das Erwachen“ beschäftigt sich mit der künstlichen Intelligenz und der Frage, was passiert, wenn sie sich „selbstständig“ macht. Ist das reine Fiktion oder hast du dazu entsprechende Fachinformationen ausgewertet?

In »Das Erwachen« geht es um die Frage, wie aus künstlicher Intelligenz echte, uns überlegene Maschinenintelligenz werden könnte und was das für unsere Welt, unsere menschliche Zivilisation bedeuten würde. Die Recherchen zu diesem Roman waren die aufwendigsten überhaupt. Ich habe mit Fachleuten gesprochen, mit KI-Forschern und Wissenschaftlern. Ich habe mir von Hackern erklären lassen, wie einfach es ist, in fremde Computersysteme einzudringen. Sie zeigten mir die Schwachstellen angeblich sicherer Systeme und die Tiefen des Darknets. »Das Erwachen« basiert auf Fakten, es ist alles recherchiert. Die Geschichte selbst entspringt natürlich meiner Fantasie, aber der Hintergrund ist keineswegs Fiktion.

Bei Amazon kosten die eBook-Ausgaben deiner Bücher teilweise mehr als das entsprechende Taschenbuch. Das ist ja nun sehr ungewöhnlich. Willst du deine Leser vom Kauf der eBooks abschrecken?

Mir ist kein solcher Fall bekannt. 🙂 E-Books sind natürlich günstiger als Print-Ausgaben. Es kann allerdings sein, dass Paperback-Ausgaben meiner Romane nach einigen Jahren als Taschenbücher zu einem günstigeren Preis erscheinen, und dann wird der Preis für das E-Book nur angepasst, wenn die teureren Paperbacks nicht mehr lieferbar sind. Übrigens erscheinen meine Romane seit dem Wechsel von Heyne zu Piper vor einigen Jahren alle auch als Hörbuch, und dieser Markt scheint immer größer zu werden, wie mir die Verkaufszahlen zeigen.

Du hast ungefähr 30 Jahre in Italien gelebt und dort hauptsächlich als Übersetzer gearbeitet. Angefangen hattest du dein Berufsleben aber als Autor. Was hat dich nach Jahren wieder zum Schreiben gebracht?

Ich bin immer vor allem Autor gewesen und habe in den 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts nur deshalb mit dem Übersetzen (aus dem Englischen und Italienischen) angefangen, um den Lebensunterhalt meiner Familie abzusichern. Vor knapp zwanzig Jahren habe ich mich dann wieder mehr auf das eigene Schreiben konzentriert, und der Erfolg meiner Kantaki-Romane, die Anfang der 2000er-Jahre erschienen, gab mir die Möglichkeit, mich ganz meinen Romanen zu widmen.

Schreibst du schon an einem neuen Buch? Oder bist du noch mit der Überarbeitung der Bücher beschäftigt, die dieses Jahr erscheinen werden?

Ich habe gerade die Überarbeitung von »Das Netz der Sterne« abgeschlossen und bin mit dem nächsten großen Thriller angefangen, der im Herbst 2020 bei Piper erscheinen wird und die Geschichte nach dem »Erwachen« erzählt: Was geschieht mit unserer Welt unter der Herrschaft einer globalen Maschinenintelligenz, und welche Folgen ergeben sich daraus für uns Menschen, unsere Gesellschaft und unsere Zivilisation?

Vielen Dank, Andreas Brandhorst, dass du dir für dieses Interview Zeit genommen hast. Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg.

Auf den Autor bezogene Werbung:
Webseite des Autors: https://andreasbrandhorst.de/
Hier geht es zur Verlagsseite des Romans „Eklipse“:
https://www.piper.de/buecher/eklipse-isbn-978-3-492-70511-0
Verlagsseite des Thrillers „Das Flüstern“:
https://www.piper.de/buecher/das-fluestern-isbn-978-3-492-06101-8
Verlagsseite des Romans „Das Netz der Sterne“:
https://www.piper.de/buecher/das-netz-der-sterne-isbn-978-3-492-70512-7

About

Schon in frühester Jugend war ich eine notorische Leseratte und das ist auch so geblieben. Ein Bücherblog war da nur die logische Konsequenz :-) Ich habe es aber nicht beim Lesen belassen, sondern schreibe auch selber. Bisher sind einige Kurzgeschichten von mir erschienen. Da ich davon alleine aber nicht leben kann, schreibe ich auch Texte für Andere. Das Spektrum reicht von Content für Webseiten über Texte für Flyer bis zu Broschüren und Handbüchern. Außerdem arbeite ich als Lektorin und übersetze ich aus dem Englischen ins Deutsche. Wenn du also einen Text, ein Lektorat oder eine Übersetzung brauchst, nimm mit mir Kontakt auf: mail@abs-textandmore.com

2 Replies to “Interview mit dem Autor Andreas Brandhorst”

  1. Hallo,

    eigentlich will ich ja schon ewig was von diesem Autor lesen! Die drei neuen Bücher klingen alle sehr interessant, aber auch von den älteren stehen schon einige auf meiner Wunschliste…

    Ich begrüße es übrigens sehr, dass man die meisten Bücher als Einzelbände lesen kann! An einem Punkt hatte ich über 90 angefangene Reihen und habe radikal Reihen abgebrochen, weil ich die unmöglich alle fertiglesen konnte.

    Oh ja, ich stimme ihm zu, dass wir auf eine riesige Katastrophe zusteuern… Ich glaube immer weniger, dass wir das Steuer noch rumreißen können, denn immer noch gibt es zu viele Menschen, die nicht an den Klimawandel glauben (Trump!) oder schlicht und einfach nicht bereit sind, an ihrem Leben auch nur Kleinigkeiten zu ändern. Nach mir die Sintflut.

    Ein sehr interessantes Interview!

    LG,
    Mikka

    1. Hallo Mikka,
      schön, dass du hierher gefunden hast und dir das Interview gefällt.
      In Bezug auf die Zukunft der Menschheit bin ich auch eher skeptisch. In vielen SF-Romanen weichen die Menschen einfach auf einen anderen Planeten aus. In der Realität werden wir wohl nicht mehr rechtzeitig einen solchen finden und die entsprechende Technik entwickeln können. Außerdem finde ich es einfach schade um unsere schöne Erde.
      Herzliche Grüße und einen schönen Sonntag
      Ann-Bettina

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