Home » Schreib-Alltag » Schreiballtag – wie Buchmarketing NICHT funktioniert

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In diesem Beitrag der Reihe „Schreiballtag“ wende ich mich diesmal in meiner Funktion als Buchbloggerin an euch.

Der Auslöser ist eine Mail eines hiesigen Verlags, die ich gestern bekommen habe. Als Buchbloggerin bekomme ich zahlreiche Anfragen von Verlagen, Agenturen oder Autor*innen. Dass sich manche Autor*innen dabei recht ungeschickt anstellen, ist nichts Neues. Aber Verlage machen es leider nicht unbedingt immer besser!

Ich werde euch anhand dieser anonymisierten Mail zeigen, wie ihr es nicht machen solltet und warum was falsch ist.

Hier ist erst mal die Mail:

Einladung zur Buchvorstellung
Titel + Untertitel
Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit laden wir Sie herzlich zur Buchvorstellung unserer Neuerscheinung Titel von Autor1, Autor2 ein! Diese findet am Donnerstag, den 23.11.2017, um 15 h in den Räumlichkeiten des Verlags statt. Die Autoren werden persönlich anwesend sein und stehen Ihnen für ein Interview und Fragen zur Verfügung.

{Hier folgt jetzt eine kurze Vorstellung des Buchinhalts}

Über Ihre Berichterstattung in Wort und Bild freuen wir uns schon jetzt! Weitere Informationen zum Buch finden Sie in der beigefügten Presseinformation sowie auf unserer Homepage unter: xxxxxx

Mit freundlichen Grüßen
Verlagsmitarbeiter

Was stimmt daran nicht?

1) Eine unpersönliche Massenmail
– Das können sich große Publikumsverlage leisten, die Hunderte von Autoren und ebenso viele Blogger betreuen. Denen sehe ich das nach. Auch Verlage oder Agenturen, mit denen ich schon regelmäßig positive Kontakte hatte, dürfen das.
– Verlage (oder Agenturen und Autor*innen), die ich nicht kenne, dürfen damit rechnen, dass ich in so einem Fall nur die Löschtaste nutze.
– Der Verlag erwartet also von mir, dass ich
• Zeit investiere
• zu einem bestimmten Termin in das Verlagsgebäude fahre
• mir die Buchvorstellung anhöre
• am besten dabei noch fotografiere oder filme
• die Autoren interviewe
• das Ganze dann auf meinem Blog veröffentliche.
Warum sollte ich? Ich kenne weder den Verlag noch die Autoren. Sie selber nehmen sich nicht einmal die Zeit, mir eine persönliche Mail zu schreiben!
Nein, so wird das ganz sicher nichts!

2) Der Termin der Buchvorstellung
Donnerstag 15 Uhr
– Wer hat am Donnerstag um 15 Uhr Zeit zu einer Buchvorstellung zu gehen? Ein paar Rentner, vielleicht noch jemand von der örtlichen Zeitung – das dürfte es aber im Wesentlichen schon gewesen sein.
Buchblogger werden im Gegensatz zu Verlagsmitarbeiten nicht für ihre Arbeit bezahlt. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie am Donnerstag um 15 Uhr einer bezahlten Beschäftigung nachgehen, ist also extrem hoch.

3) Die kurzfristige Benachrichtigung
Ein Event so kurzfristig (1 Woche vorher) anzukündigen, ist auf jeden Fall riskant. Es hat schließlich niemand händeringend auf dieses Event gewartet (von den Autoren mal abgesehen 🙂 ). Also, selbst wenn es einen prinzipiell interessieren würde, hat man da vielleicht schon etwas anderes vor.

4) Der letzte Abschnitt
„Über Ihre Berichterstattung in Wort und Bild freuen wir uns schon jetzt!“
Ach ja? Vielleicht sollte man erst mal anfragen, ob der/die Buchblogger*in überhaupt berichten möchte.
Zumindest für mich klingt das so, als ob Buchblogger*innen nichts anderes zu tun hätten, als zu springen, wenn irgendein Verlag ruft.

Wie würdest du es besser machen?

Erst einmal die Mail früher verschicken.
Sich über die Blogger*innen, die man anschreiben möchte, informieren. Dann eine persönliche Mail schicken.
Den Termin für die Buchvorstellung auf den Abend verlegen.
Höflich anfragen, ob Interesse besteht, über das Event auf dem Blog zu berichten.
Wenn du bei deiner Recherche zu dem Blog festgestellt hast,
– dass der/die Blogger*in Interviews veröffentlicht – einen Interviewtermin nach der Buchvorstellung oder zu einem anderen Zeitpunkt anbieten.
– dass Rezensionen veröffentlicht werden, ein Rezensionsexemplar anbieten. Vielleicht mit persönlicher Widmung, direkt zum Mitnehmen 🙂

Fazit

Du kannst nicht erwarten, dass ein(e) Buchblogger*in Zeit und Arbeit in dich und dein Buch investiert, wenn du nicht bereit bist, im Gegenzug auch etwas zu bieten. Und wenn es nur Wertschätzung ist, das würde schon reichen.

About

Schon in frühester Jugend war ich eine notorische Leseratte und das ist auch so geblieben. Ein Bücherblog war da nur die logische Konsequenz :-)
Ich habe es aber nicht beim Lesen belassen, sondern schreibe auch selber. Bisher sind einige Kurzgeschichten von mir erschienen.
Da ich davon alleine aber nicht leben kann, schreibe ich auch Texte für Andere. Das Spektrum reicht von Content für Webseiten über Texte für Flyer bis zu Broschüren und Handbüchern. Außerdem arbeite ich als Lektorin und übersetze ich aus dem Englischen ins Deutsche. Wenn du also einen Text, ein Lektorat oder eine Übersetzung brauchst, nimm mit mir Kontakt auf: mail@abs-textandmore.com

8 Replies to “Schreiballtag – wie Buchmarketing NICHT funktioniert”

  1. Liebe Frau Schmitz,
    solche Mails bekomme ich auch recht häufig. Allerdings weniger von Verlagen, die schreiben mich tatsächlich nicht per E-Mail, sondern per Post an und legen auch oft ein Rezensionsexemplar bei, sondern von Selfpublishern.
    Auch ein Beispiel: (echt!!)

    Hallo Blogger,
    kannst Du mein neues Buch in Deinem Blog vorstellen? Melde Dich bitte schnell. Das Buch ist sensationell.
    Deine xxx

    Was hat sie falsch gemacht unsere Neuautorin?

    1. Duzt sie mich ungefragt. Das kann ich überhaupt nicht leiden.
    2. Schreibt sie mit keinem Wort, um welche Art von Buch es sich handelt, schickt keine Textprobe, kein Cover mit.
    3. Sie schreibt nichts über sich selbst. Wer ist sie? Hat sie schon mal was veröffentlicht? Wo kann ich mehr über sie erfahren?

    Solche Mails landen bei mir im Papierkorb. Die beantworte ich mit keinem Wort.

    Liebe Grüße aus (noch) Renningen

    Ihr Rainer Andreas Seemann

    1. Lieber Herr Seemann,
      die Mail aus Ihrem Beispiel ist an Dummheit ja wohl kaum noch zu übertreffen 🙁 Das sind dann aber bestimmt auch Autoren, die sich lauthals beschweren, dass sie keine Rückmeldung von den bösen Bloggern bekommen. Schade – da wird viel Energie verpulvert und Porzellan zerschlagen.
      Mich hatte vor allem geärgert, dass ein kleiner Verlag so ungeschickt vorgeht. Ein Autoren-Neuling weiß es vielleicht nicht besser. Ein Verlag sollte aber doch ein bisschen mehr Ahnung haben.
      Wünsche Ihnen eine angenehme Woche (ohne merkwürdige Mails 🙂 )
      Ann-Bettina Schmitz

  2. Suhani sagt:

    Hi Ann-Bettina,
    da kann ich Dir nur in allen Punkten zustimmen. Von Verlagen mit Einladungen hab ich solche Mails zwar noch nicht bekommen, aber von Autor*innen zur Rezension / Besprechung ihres Buches schon öfter – da funktioniert meine Löschtaste auch schon fast von alleine.
    Ich hab dazu auch schon mal eine Ergänzung auf meinem Blog an die Verlage und Autor*innen geschrieben.
    Wer solche Mails verbreitet, geht nur auf Masse und ob das am Ende wirklich gut für das Buch ist, bezweifel ich manches Mal – aber das soll ja nicht mein Problem sein.
    Also erhalte dir Deine Löschtaste, sie erleichtert das Leben. 😉

    Wünsche Dir ein schönes Wochenende mit viel Lesezeit!

    Liebe Grüße,
    Su

    1. Hallo Suhani,
      mich hat vor allem gewundert, dass so eine Mail von einem Verlag kommt. Wenn deren Marketing-Maßnahmen alle so sinnvoll sind, können einem die Autoren schon leid tun.
      wünsche dir auch ein schönes Wochenende
      Ann-Bettina

      1. Suhani sagt:

        Ja das stimmt natürlich, aber vielleicht wissen die Autoren gar nicht wie der Verlag das handhabt und wie das ankommt.
        Aber ich kann mir denken, das immer noch genug das „Angebot“ annehmen. Bei manchen steht eben doch immer noch Quantität statt Quallität im Vordergrund – sowohl bei Verlagen, Blogger und auch einigen Autoren.
        Aber jeder kann sich ja raussuchen was er mag und löschen was er nicht mag. 🙂

        Liebe Grüße!

        1. Da hast du wahrscheinlich recht. Viele Autoren veröffentlichen ja gerade über Verlage, weil sie glauben, da wird dann richtiges Marketing für ihr Buch gemacht und sie müssen sich weiter um nichts kümmern.
          LG
          Ann-Bettina

  3. monerl sagt:

    Hallo Ann-Bettina,
    das hast du ganz toll zusammengeschrieben! Jeder, der etwas von jemand anderem möchte, diesen dann auch nicht persönlich kennt, sollte sich höflich vorstellen und eine Bitte vortragen und sich die Mühe machen nachzuschauen, ober derjenige, der angeschrieben worden ist, auch in die Zielgruppe passt.
    So eine Mail würde ich auch sofort löschen!
    GlG und ein schönes WE wünscht dir
    das monerl

    1. Hallo Monerl,
      es wundert mich immer wieder. Da gibt es im Internet gefühlt 1.000 Artikel, die beschreiben, wie es richtig geht – okay, ab heute 1.001 🙂
      Trotzdem werden solche Mails verschickt. Und das von einem Verlag. Die sollten es doch wirklich besser wissen. Nun ja, die Löschtaste ist der Freund des Bloggers.
      Wünsche dir ein schönes Wochenende
      Ann-Bettina

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