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bezahlte Rezensionen?

Durch einen Artikel von Kay Noa bin ich darauf aufmerksam geworden, dass es wohl im Moment eine große Diskussion darum gibt, wann eine Rezension auf einem Blog als bezahlt angesehen werden soll und wie das die Reputation des Bloggers bzw. er Bloggerin beeinträchtigt.

Ausgangspunkt der Diskussion war die Tatsache, dass ein Verlag Bloggern einen 10 € Amazon-Gutschein für die Veröffentlichung einer Rezension versprochen hatte. Wobei ausdrücklich eine ehrliche, keine um jeden Preis positive Rezension gefordert wurde.

Um es gleich klarzustellen: Mich hatte der Verlag nicht angeschrieben 🙂

Warum nicht? Ist die ABS-Lese-Ecke nicht bekannt genug? Oder habe ich zu sehr deutlich gemacht, dass ich auch negative Rezensionen schreibe? Ich weiß es nicht. ABER: Ich bin ganz froh, dass dieses „Angebot“ an mir vorüber gegangen ist.

Wieso kommt ein Verlag überhaupt auf diese Idee? Nun ja, Bücher brauchen Leser, egal ob sie von einem Verlag oder einem Selfpublisher herausgegeben werden. Um in der Masse der Neuerscheinungen nicht unterzugehen und Leser zu finden, muss das Buch Aufmerksamkeit erregen. Bücherblogs sind zwar nicht die einzige, aber eine relativ günstige Möglichkeit dies zu erreichen. Außerdem bekommen Rezensionen in Bücherblogs meist auch mehr Aufmerksamkeit als Werbeanzeigen.

Nun gibt es aber eine Reihe von Bücherblogs, die keine Rezensionsexemplare annehmen, aus Angst durch diese kostenlosen Bücher korrumpiert zu werden. Das halte ich persönlich für Quatsch. Eine vernünftige Rezension zu schreiben und in den Social Media Kanälen zu bewerben ist eine Menge Arbeit. Wenn man dafür ein eBook für 0,99 € oder 2,99 € bekommt, stellt das sicher keine großartige Bezahlung dar. Selbst eine gebundene Ausgabe für 19,99 € wäre ein „Hungerlohn“.

Also dieser „finanzielle Anreiz“ dürfte wohl niemanden dazu verleiten geschönte Rezensionen zu schreiben. Viel schwieriger finde ich es, wenn mir ein Autor selber sein Buch zur Rezension geschickt hat und ich ihm dann schreiben muss:“Tut mir leid. Hat mich nicht wirklich überzeugen können.“ Schließlich weiß ich wie viel Arbeit in so einem Buch steckt. Aber ich mache das trotzdem, wenn auch sehr ungern. Warum mache ich mir selber das Leben schwer und versaue dem Autor den Tag? Weil das Schreiben von Rezensionen für mich sonst keinen Sinn mehr machen würde!

Würde sich daran etwas ändern, wenn der Verlag noch einen 10 € Gutschein drauf legt? Für mich persönlich nicht, aber ich sehe ganz klar, dass die Sache damit eine „Geschmäckle“ kriegt. Ein kostenloses Rezensionsexemplar kann noch unter Bereitstellung von Arbeitsmaterial laufen, ein Amazon-Gutschein ist ganz eindeutig eine Bezahlung, wenn auch eine sehr geringe.

Da einige Bücherblogs keine Rezensionsexemplare annehmen, bekommen die anderen um so mehr Rezensions-Anfragen. Da muss ich auch des öfteren einem Autor schreiben:“Im Prinzip rezensiere ich dein Buch gerne. Das kann aber 4 – 6 Wochen dauern bis ich dazu kommen.“ Das ist zwar nicht immer so, es gibt auch „Löcher“, in denen ich ein Buch gleich rezensieren kann, aber es kommt halt öfter vor. Und das wahrscheinlich nicht nur bei mir. Vielleicht wollte der Verlag sich so nur einfach eine „Vorzugsbehandlung“ erkaufen.

Aber wenn das Schreiben, Veröffentlichen und Bekanntmachen einer Rezension doch so viel Arbeit ist, warum soll ein Blogger sich dann nicht dafür bezahlen lassen? Das hängt davon ab, von wem die Bezahlung kommt. Zum Beispiel veröffentlichen ja auch Zeitungen, Zeitschriften und Magazine Rezensionen, für die sie die Rezensenten bezahlen. Das ist solange in Ordnung, solange das Buch nicht aus demselben Verlag stammt wie die Zeitung. Wenn aber der Verlag, der das Buch herausgibt, die Rezension bezahlt, besteht immer der Verdacht der Gefälligkeitsrezension. Und das zu Recht. Es wird wohl kein Verlag einen Rezensenten behalten, der ständig Verrisse der Verlagsbücher schreibt.

Das ist genau der Fehler, den der eingangs erwähnte Verlag gemacht hat. Zwar wird keine Gefälligkeitsrezension gefordert, aber jeder Blogger kann sich ausrechnen, dass es bei einem Verriss das nächste Mal nicht wieder dabei ist. Ein 10 € Amazon Gutschein ist nun vielleicht nicht die ganz große Versuchung – aber unterschwellig mag sie das Urteil über ein Buch schon beeinflussen.

Wie seht ihr das? Wird ein Blogger unglaubwürdig, wenn er solch ein Angebot annimmt? Oder soll man das nicht so eng sehen? Wie würdet ihr euch bei diesem oder einem ähnlichen Angebot verhalten?

About

Schon in frühester Jugend war ich eine notorische Leseratte und das ist auch so geblieben. Ein Bücherblog war da nur die logische Konsequenz :-)
Ich habe es aber nicht beim Lesen belassen, sondern schreibe auch selber. Bisher sind einige Kurzgeschichten von mir erschienen.
Da ich davon alleine aber nicht leben kann, schreibe ich auch Texte für Andere. Das Spektrum reicht von Content für Webseiten über Texte für Flyer bis zu Broschüren und Handbüchern. Außerdem arbeite ich als Lektorin und übersetze ich aus dem Englischen ins Deutsche. Wenn du also einen Text, ein Lektorat oder eine Übersetzung brauchst, nimm mit mir Kontakt auf: mail@abs-textandmore.com

11 Replies to “Bezahlte Rezensionen auf Blogs?”

  1. Renate sagt:

    Sorry für den Tippfehler bei deinem Vornamen!

  2. Renate sagt:

    Liebe Anne-Bettina, dass du kostenlose Rezensionen schreibst, finde ich bemerkenswert, denn allein schon ein Buch zu lesen, erfordert viel Zeit. Und es dann auch noch zu rezensieren, nochmal Zeit.
    Ein 10-Euro-Gutschein ist in meinen Augen ein Witz und wäre für mich nicht annähernd ein Anreiz. Unter 100 Euro sollte diesbezüglich gar nichts gehen. Aber da „Dienstleistung“ heutzutage von vielen Menschen verschenkt wird, sucht halt jeder nach der billigsten Methode. Ob die Qualität dann stimmt, steht wieder auf einem anderen Blatt.

    Viele Grüße vom Ammersee!
    Renate

    1. Hallo Renate,
      viele Bücherblogger schreiben kostenlose Rezensionen. Da bin ich in guter Gesellschaft 🙂 Ich habe ja auch etwas davon – so habe ich schon eine Reihe interessanter Autoren kennengelernt, von denen ich sonst wahrscheinlich nie etwas gehört hätte. Schließlich kommen jeden Monat Massen neuer Bücher auf den Markt.
      Ich glaube auch nicht, dass 10 € für die meisten Blogger eine riesige Versuchung darstellen. Aber es gibt halt Leute, die sehen das sehr eng.
      Viele Grüße
      An-Bettina

  3. sagt:

    Sehr schöner Artikel, der ein wesentliches Problem von allen Test & Rewiev oder Rezensionen aufwirft.

    Die Frage der geringen Entlohnung finde ich gar nicht mal so endscheident für die Glaubwürdigkeit. Eine Rezenssion zu schreiben macht viel Arbeit und kostet Zeit. Gerade wenn es um Fachbücher geht (900 Seiten Fachbuch zu lesen und zu verstehen ist auch Zeitaufwand). Wenn man Bloger mit 10€ Gutscheinen lockt, dann würde ich mich nicht verführen lassen. (einfach ein viel zu geringer Preis!)

    Deswegen finde ich es wichtig für die Glaubwürdigkeit zu kennzeichnen für welche Beiträge ein „Sponsoring“ vorgelegen hat.
    Dadurch kann sich ein Leser klar werden ob nur „bezahlte“ Artikel gut bewertet werden, oder ob der Blogger quasi „alle“ Bücher gut bewertet.

    Beste Grüße

    1. Ein bezahlter Artikel muss auf jeden Fall gekennzeichnet werden. Ich finde auch, dass ein 10 € Gutschein einen nicht dazu bringen wird, eine geschönte Rezension oder Testbericht zu schreiben.
      Aber bei einigen Bloggern scheint das doch viel Aufregung zu verursachen.
      Viele Grüße
      Ann-Bettina

  4. Ulrike sagt:

    Hallo, ich schreibe eher selten Rezensionen, habe dazu aber auch schon mal das eine oder andere Rezensionsexemplar angefordert. Das finde ich in Ordnung, schließlich macht man sich die Mühe und schreibt drüber. Und wenn ich ein Buch anfordere, dann weiß ich meistens schon, dass es mindestens ein interessantes Thema hat. Darüber kann ich dann unbeschwert schreiben. Da würde ich auch einen Gutschein über 10,- € als Dankeschön gut finden. Ist ja nicht wirklich, dass das zu meinem Lebensunterhalt beiträgt.;)
    Anders ist es mit einfach zugesandten Büchern. Auch das habe ich schon erlebt (als ich noch für eine Zeitung schrieb). Eines der Bücher, das mir von einer Autorin zugeschickt wurde, war inhaltlich daneben und schlecht geschrieben. Ich ließ es einfach liegen, nachdem ich ungefähr die Hälfte gelesen hatte und hoffte, dass ich nie mehr davon hören würde. Doch die Autorin rief mich an und wollte wissen, wann denn nun die Rezension kommen würde. Ich habe ihr dann nur kurz erklärt, dass ich das Buch nicht so gut gefunden hätte und dass sie froh sein solle, wenn ich nicht darüber schreiben würde. Danach herrschte Ruhe. Da hätte auch kein Gutschein geholfen. Ich hab aber gesehen, dass das Buch bei Amazon einige gute bis sehr gute Bewertungen bekommen hat. Bei sowas mache ich nicht mit!
    LG Ulrike

    1. Hallo Ulrike,
      bei ungefragt eingesandten Büchern gehe ich auch gerne den „einfachen“ Weg, es sei denn der Inhalt würde mit gefallen und nur Stil und Rechtschreibung/Grammatik wären mangelhaft. Das würde ich dann schon versuchen dem Autor zu vermitteln. Bei Büchern, die nach Anfragen zugeschickt werden, fühle ich mich schon zu einer Rückmeldung verpflichtet. Wenn es ganz daneben ist, eben nicht als Rezension, sondern in Form einer persönlichen Email.
      Viele Grüße
      Ann-Bettina

  5. Hallo Ann-Bettina,

    da hast Du wieder ein interessantes Thema aufgegriffen. Produkt- oder Buchrezensionen finde ich im Internet eine wichtige Sache, damit potentielle Käufer Informationen erhalten, die die Kaufentscheidung erleichtern. Deshalb sollten Rezensionen ehrlich sein.

    Im Januar 2013 habe ich mich bei buecher.de als Buchflüsterer beworben und eigentlich nicht damit gerechnet, dass ich akzeptiert werde. Seither erhalte ich regelmäßig kostenlos ein Leseexemplar und veröffentliche ohne Bezahlung oder Geschenk eine Rezension. Für die 2 Rezensionen bei Amazon habe ich auch keine Bezahlung oder Geschenk erhalten. Meine Bewertungen waren von 3 – 5 Sterne, da ich ehrlich schreibe, wenn mir etwas nicht gefällt.

    Ein Geschenk, auch wenn es nicht viel Wert hat, würde mich nicht beeinflussen, eine bessere Rezension zu schreiben, ich verstehe aber, dass es Leser misstrauisch macht, wenn sie das wissen.
    Nur positive Bewertungen machen mich als Leser von Rezensionen misstrauisch.

    Einen Verriss zu schreiben, wenn das Buch tatsächlich nichts ist, ist besser als eine geschönte Rezension, sofern er sachlich geschrieben wird. Bei einer Rezension nur 2 oder 3 Punkte aufzugreifen, die nicht gefallen und das ganze Buch für nicht mal 5,00 EUR als Fehlkauf (total rausgeworfenes Geld) zu bezeichnen finde ich nicht besonders fair, wenn man an die Arbeit des Autors denkt. Ich versuche bei meinen Rezensionen immer, den Inhalt des Buches wiederzugeben und sachlich zu schreiben, was mir gefallen hat und was nicht.

    Viele Grüße
    Claudia

    1. Hallo Claudia,
      ich glaube auch, dass sich immer mehr Leute im Internet informieren und damit Buchrezensionen und Produkttests immer wichtiger werden.
      Bei einer kritischen Rezension versuche ich auch immer genau zu schreiben was mir warum nicht gefallen hat. Ich finde es auch absolut respektlos dem Autor gegenüber nur „kann man vergessen, lohnt sich nicht“ zu schreiben. Dabei spielt der Preis des Buches für mich noch nicht mal so eine große
      Rolle.
      Viele Grüße
      Ann-Bettina

  6. Dass die Verlage verstärkt über die Buchblogger gehen, hat m. E. verschiedene Gründe:

    Einerseits ist die Veröffentlichungsschwelle auf Blogs wesentlich geringer als bei Portalen, die mit Journalismus Geld verdienen,

    Andererseits wirkt ein Blogpost authentischer als eine andere Werbeform, weil die Blogger die Sprache der Leser sprechen.

    Wenn zum Beispiel Cindy Leseratte ein Buch gut rezensiert, wirkt das glaubhafter als z. B. die Rezension eines Feulletonisten, der in einer großen Tageszeitung schreibt. Das gilt vor allem für Convinience-Titel, die es wahrscheinlich erst gar nicht in die Zeitung schaffen würden oder nur in den Schmuddelecken des Feuilletons abgehandelt werden.

    1. Hallo Georg,
      da hast du einen weiteren Punkt angesprochen, der für Blogger spricht 🙂 Ich glaube, die Zurückhaltung der Zeitungen hat, neben dem Genre, auch etwas mit dem Bekanntheitsgrad des Autors zu tun. Ein unbekannter Autor hat höchstens in seiner Lokalzeitung eine Chance.
      Viele Grüße
      Ann-Bettina

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