Home » Interviews » Interview mit der Autorin Anna M. Thane

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Mein heutiger Interview-Gast schreibt eine besondere Art von Liebesromanen.

Guten Tag Ann M. Thane.

Dein erster Roman „Von tadellosem Ruf“ ist eine humorvolle Liebesgeschichte, die in der Recency-Zeit spielt. Das lustige Gegenstück zu Jane Austen?

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Das ist ein schmeichelhafter Vergleich! Ich sehe mich allerdings eher in der Tradition der britischen Autorin Georgette Heyer. Georgette Heyer schrieb zwischen 1921 und 1974 über 50 Liebesromane und Krimis. Ich besitze alle ihre Regency-Romane. Sie sind wunderbare Unterhaltung und die perfekte Mischung aus historischen Kenntnissen, Romanze und – für mich am Wichtigsten – Humor! Niemand schafft es so gut wie Georgette Heyer, eine Zeit lebendig werden zu lassen und liebenswerte, unvergessliche Charaktere zu erschaffen. Mein Traum ist es, eines Tages einen Roman zu schreiben, der sich mit ihren Werken messen kann.

Was gefällt dir an der Regency-Zeit so gut, dass du deinen Roman dort angesiedelt hast?

Es gibt Dinge, die uns magisch anziehen. Schokolade zum Beispiel. In meinem Fall ist es die Geschichte Englands der Jahre 1785 bis 1830. Diese Zeit gilt heute oft als eine Ära der eleganten Mode, glanzvollen Bälle und pikanten Skandale. Das Regency ist jedoch viel mehr als ein Lustgarten der High Society: Es ist auch die Zeit gewaltiger gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und politischer Umbrüche: Der Sklavenhandel wird verboten, die erste Dampflokomotive gebaut, gepuderte Perücken sind out, und einige radikale Vordenker halten die Demokratie für ein recht gutes Staatssystem.
Mich faszinieren der Wandel und die damit verbundenen Möglichkeiten jener Zeit. Das spiegelt sich auch in meinem Roman wieder: Die „alte Welt“ wird im Roman durch den strengen Vater der Heldin und die dominante Lady Linfield vertreten. Die „neue Welt“ symbolisieren Robert, der Held und die unorthodoxe Bertilde Rothleigh, Patentante der Heldin. Beide Welten aufeinandertreffen zu lassen, bietet viel Potenzial für Konflikte und Komik, und es ist die Aufgabe der Heldin, sich zwischen Veränderung und Tradition zu entscheiden.

Du hast ja sogar einen eigenen Blog zu dieser Zeit eingerichtet und bietest einen Newsletter dazu an. Hast du Geschichte studiert oder woher kommt dein Interesse?

Ich habe Geschichte im Nebenfach studiert. Besonders faszinierte mich die Fachbereichsbibliothek. Sie steckte voller seltsamer alter Bücher und Themen, die mir eine neue Welt eröffneten. Woher kommen wir – das ist eine Frage, die sich nicht nur die Philosophen stellen.

Davon abgesehen braucht man als Autorin historischer Romane fundierte Kenntnisse derjenigen Ära, in der ein Roman spielt. Gute historische Kenntnisse helfen, einen glaubwürdigen Plot zu entwickeln, verleihen den Romanfiguren Authentizität und machen die Handlung lebendig. Ich muss also beispielsweise wissen, welche Kleidung meine Heldin trägt, wenn sie auf einen Ball geht, welche Speisen bei einer Verlobungsfeier im Jahr 1813 gereicht wurden, und welche Verhaltensregeln eine Gouvernante ihren Schützlingen gepredigt hat.
Wenn man solchen Fragen nachgehen muss, ist es ein glücklicher Umstand, ohnehin ein Faible für Geschichte zu haben.

Auf einem anderen Blog – „Zeitsprung“ – beschäftigst Du dich mit Technik-Geschichte. Da sind einige ganz fantastische Bilder zu sehen. Wo findest du so etwas?

In den vergangenen Jahren habe ich viele Museen für Technikgeschichte besucht. Es gibt dort wunderbare Gegenstände zu sehen, und glücklicherweise darf man dort auch fotografieren. Für mich ist die Ästhetik der alten Erfindungen atemberaubend. Es steckt eine Menge Originalität, Handwerkskunst und Forschergeist darin. Jede dieser Erfindungen ist etwas Großartiges, selbst wenn sie nur wenige Jahre ‚überlebt‘ hat, bevor sie von anderen Maschinen abgelöst wurde.

Den Besuch folgender Museen kann ich empfehlen:
· Museum of the History of Science, Broad St, Oxford OX1 3AZ, Großbritannien
· Science Museum, Exhibition Rd, London SW7 2DD, Großbritannien
· Mathematisch-Physikalischer Salon, Zwinger, 01067 Dresden, Deutschland
· Museo Nazionale Scienza e Tecnologia Leonardo da Vinci, Via San Vittore, 21, 20123 Milano MI, Italien
· National Science Museum, 7-20 Uenokoen, Taito 110-8718, Tokio, Japan

Ich wusste gar nicht, dass es so etwas wie einen Jane-Austen-Ball gibt. Du hast sicher schon einmal an einem teilgenommen. Erzähl uns doch etwas darüber.

Ich habe inzwischen mehrere Jane-Austen-Bälle besucht, und finde, es hat ein hohes Suchtpotenzial. Wenn Musik den Ballsaal erfüllt und rund 100 Ballbesucher in historischen Kostümen in eleganten Formationen tanzen, dann gelingt für einige Stunden die Illusion, in einem Regency-Roman zu leben. So tanzt man beispielsweise mit einem jungen Offizier in prächtiger Uniform, und gegenüber schwebt eine wahrhafte Marianne Dashwood aus Jane Austens Roman „Sinn und Sinnlichkeit“ über das Parkett. Ich gewinne viel Inspiration aus den kleinen Erlebnissen und Begegnungen auf einem Ball.

Getanzt werden bei diesen Veranstaltungen sogenannte Country Dances. Das sind elegante Reihentänze, in denen vier bis sechs Personen miteinander bestimmte Figuren tanzen. Die Bewegungen sind fließend und anmutig. Da das historische Tanzen nicht sehr verbreitet ist, geht vielen Bällen ein mehrtägiger Tanzkurs voraus, sodass beim großen Abend nichts schiefgeht.

Vor einem Ballbesuch ist immer etwas Arbeit angesagt: Ein Kostüm muss her, und eine historische Frisur will erdacht und ausprobiert werden. Leider habe ich beim Nähen zwei linke Hände. Ich bin daher sehr dankbar, dass eine Freundin mich unterstützt. In der Regel arbeiten wir Kleidungsstücke aus meinem Kleiderschrank zu Ballkleidern um. Das schont das Budget. Auf meinem englischsprachigen Blog Regency Explorer kann man nachlesen, was meine Freundin bisher gezaubert hat. Hier ist ein Link zu einem Kleid, das speziell für das Thema „Picknick mit Emma“ gemacht wurde: http://regency-explorer.net/museum-of-creativity/emma/

Schreibst Du deine Geschichten auch stilecht erst mal mit der Hand? 🙂

Wenn ich mit Feder und Tinte schreiben müsste, bräuchte ich für einen Roman sicherlich 20 Jahre :- ) . Ich schreibe am Notebook, meistens in einem Café in der Nähe meines Arbeitsplatzes. Ich gehöre zu den Frühaufstehern und glaube fest daran, zwischen 7 – 9 Uhr am kreativsten zu sein.

Hast du auch noch Hobbys, die etwas mehr in der Gegenwart verankert sind?

Ich lese und mache gern Fotos von Gärten und Blumen. Kochen mit Freunden und gute Gespräche genieße ich ebenfalls sehr.

Was liest du selber gerne?

Georgette Heyers Regency-Romane kann ich wieder und wieder lesen. Zudem habe Harry Potter geliebt, die Krimis der Französin Fred Vargas, und die „Inspektor Jury“-Reihe von Martha Grimes. Derzeit tauche ich in das Steampunk-Genre ein. Zuletzt habe ich „Steam, Smoke & Mirrors“ von Colin Edmonds gelesen.

Schreibst du schon an einem weiteren Buch?

Ich bastele am Konzept. Es existieren bereits mehrere vielversprechende Hauptpersonen, und es ist gesetzt, dass es neben einer Liebesgeschichte um Spionage gehen wird. Den Zeitraum muss ich noch näher einkreisen. Aus heutiger Sicht spricht viel für das Jahr 1807.

Was möchtest du den Leser*innen sonst noch erzählen?

1789 wurden in der Französischen Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte u.a. die Freiheit, die Gleichheit, die Meinungs-, Glaubens- und Gedankenfreiheit festgelegt. Diese Freiheiten sind zu Grundrechten geworden, die in vielen Verfassungen festgeschrieben sind.
In diesem Tagen ging es – wieder – durch die Presse, dass es nichtsdestotrotz um die Menschenrechte weltweit nicht gut bestellt ist. Auch in Europa nehmen schwere Menschenrechtsverletzungen zu, und Minderheitenrechte sind in manchen europäischen Staaten gefährdet.
Ich möchte die LeserInnen ermutigen, sich für Menschenrechte und Minderheiten einzusetzen. Amnesty International oder die Internationale Liga für Menschenrechte bieten Informationsplattformen und Gelegenheit, sich einzubringen. Vielen Dank an alle, die mithelfen!

Vielen Dank für das Interview, Anna M. Thane. Ich wünsche dir viel Erfolg mit deinem Buch und eventuellen Nachfolgern.

Herzlichen Dank an dich und weiterhin viel Erfolg und Freude mit Deinem informativen und unterhaltsamen Blog!

About

Schon in frühester Jugend war ich eine notorische Leseratte und das ist auch so geblieben. Ein Bücherblog war da nur die logische Konsequenz :-) Ich habe es aber nicht beim Lesen belassen, sondern schreibe auch selber. Bisher sind einige Kurzgeschichten von mir erschienen. Da ich davon alleine aber nicht leben kann, schreibe ich auch Texte für Andere. Das Spektrum reicht von Content für Webseiten über Texte für Flyer bis zu Broschüren und Handbüchern. Außerdem arbeite ich als Lektorin und übersetze ich aus dem Englischen ins Deutsche. Wenn du also einen Text, ein Lektorat oder eine Übersetzung brauchst, nimm mit mir Kontakt auf: mail@abs-textandmore.com

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