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Birgitt-Floegel

Heute stellt sich die Autorin Birgitt Flögel meinen Fragen. Sie ist sehr vielseitig, schreibt Kurzgeschichten, Kinderbücher, Romane und Artikel für Zeitschriften.

Guten Tag Birgitt Flögel.

Guten Tag Ann-Bettina Schmitz. Danke, dass ich auf Deinem Block ABS-Lese-Ecke mich und meine Bücher vorstellen kann.
Dein erstes Buch war ein Kinderbuch: »Sebastian und Phillip – zwei ungleiche Freunde und ihre Abenteuer«. Willst du die Leser damit »nur« unterhalten oder verfolgst du auch ein pädagogisches Ziel damit?

Das Buch ist entstanden, als in der Klasse meines Sohnes das Thema Mobbing aktuell wurde. Da kam diese Figur des eher kleinen, schmächtigen Phillip zu mir, der aber ein starker Junge ist und das nicht nur körperlich auf Grund seiner Karatekenntnisse. Sebastian, der unbedingt Anführer der Jungen bleiben will, aus Angst wieder ausgegrenzt zu werden, meint mit dem Neuen in der Klasse leichtes Spiel zu haben. Und erlebt DIE Überraschung! Im Laufe eines Schuljahres wird die Freundschaft der sehr unterschiedlichen Jungen immer tiefer, während sie in verschiedenen Episoden Kriminalfälle lösen. Ich wollte vor allem ein spannendes Kinderbuch schreiben. Aber auf Lesungen vor Schulklassen kommt sehr oft das Thema Mobbing in der anschließenden Diskussion auf, obwohl das Wort selbst im Buch nicht vorkommt.

Dein zweites Kinderbuch »Jiri – der Junge aus dem Pfahldorf« spielt in der Steinzeit. Wie bist du auf diese Idee gekommen? Warum ausgerechnet die Steinzeit?

Der Auftrag, ein Kinderbuch über die jungsteinzeitlichen Pfahldörfer am Bodensee zu schreiben, kam von meinem Verleger Dieter Frieß. Während der Recherche fuhr ich mit meiner Familie in den Herbstferien nach Unteruhldingen und wohnte direkt neben dem Pfahldorf Museum. So konnte ich die Häuser und den See in jedem Licht und zu jeder Tageszeit beobachten. Während ich am Ufer stand und versuchte, mich in meiner Vorstellung 5000 Jahre zurück zu versetzen, war plötzlich die Figur des Jiri da und die Ideen für seine Geschichte. Durch die Recherche bin ich ein richtiger Fan der Menschen in der Jungsteinzeit geworden. Ich habe großen Respekt vor ihrem Mut, ihrem Wissen und ihren übermenschlichen Leistungen. Sie sind schließlich unsere Wurzeln.

Schließlich hast du noch einen Roman für Erwachsenen geschrieben: »Mütter«. Das scheint eine Mischung aus Frauenroman und historischem Roman zu sein. Stimmt das?

„Mütter“ erzählt die Geschichte einer Familie über 6 Generationen aus der Sicht der Frauen dieser Familie. Der Roman spielt im ehemaligen Sudetenland, aus dem meine Familie mütterlicherseits stammt. Deshalb kenne ich diese Gegend seit meiner Kindheit, kenne unzählige Schicksale deutscher und tschechischer Familien, die mehr oder weniger in die Figuren eingeflossen sind. Zur Recherche fuhr ich mit meinem Mann nach Karlovy Vary, einige Erlebnisse dort mit dem heutigen Tschechien sind in meine Rahmenhandlung gelangt. Der Roman war bisher mein größtes Projekt und ich habe etwa 15 Jahre daran gearbeitet. Wenn eine intensive Familienphase anstand, verschwand er manchmal für mehrere Jahre in der Schublade, aber er hat mich nie ganz losgelassen. Thema darin ist auch, wie viel Zeit (Kraft, Lebensraum) kann eine Mutter für sich beanspruchen, wann leidet die Familie, wann entfremdet sie sich selbst. Die Quadratur des Kreises also, die jede Mutter versucht.

Neben deinen Buchveröffentlichungen hast du auch immer wieder Geschichten für Zeitschriften geschrieben. Wie schaffst du es, bei fünf Kindern noch Zeit zum Schreiben zu finden?

Nach der Geburt meiner ersten Kinder (Zwillinge) schrieb ich nachts, wenn sie schliefen. Aber das regte mich immer sehr an und ich war oft der Versuchung erlegen, bis in die Morgenstunden zu arbeiten. Der Schlafmangel war vorprogrammiert. Also begann ich immer, wenn das jüngste Kind mit drei Jahren in den Kindergarten kam, einen Teil des Vormittags für meine Projekte zu nutzen, wenn kein Kind krank war oder keine anderen Termine anstanden.

Unterstützt deine Familie deine Autorentätigkeit?

Meine Kinder waren meine ersten Leser der Manuskripte und gaben mir gute Tipps. Mein Mann begleitet mich oft auf Lesungen. Am ehesten blockiere ich mich selbst, indem ich immer abwäge, wie viel Zeit ich mir für das Schreiben nehmen kann, ohne die Familie und notwendige Verpflichtungen zu vernachlässigen.

Du hast auch eine Ausbildung zur Drehbuchautorin gemacht. Waren dir Romane auf die Dauer zu langweilig?

Nein, aber ich sehe sehr gern Filme und habe so viele Ideen. In einem Drehbuch kann ich Geschichten viel schneller erzählen.

Hast du schon eines der Drehbücher verkaufen können?

Von meinen drei fertigen Drehbüchern habe ich noch keins verkauft, aber ich habe es auch noch nicht intensiv versucht. In geschäftlichen Dingen bin ich nicht sehr begabt und hätte gern einen Agenten.

Was schreibst du lieber – Romane oder Drehbücher?

Romane, weil ich dann viel tiefer in die Figuren eindringe.
Schreibst Du schon an etwas Neuem?

Ja und es geht wieder um Familie.

Möchtest Du uns sonst noch etwas erzählen?

Vielleicht möchte ich uns Schreibern raten, nicht aufzugeben. Wenn man ausdauernd anklopft, öffnet sich irgendwann die Tür eines Verlages oder einer Redaktion. Aber der Weg dahin kann sehr frustrierend sein. Die eigenen Zweifel am Geschriebenen bleiben einem aber auch, wenn man schon veröffentlicht hat. Was uns aber keiner nehmen kann, ist die Freude am kreativen Schreibprozess.

Vielen Dank für das Interview, Birgitt Flögel. Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg.

About

Schon in frühester Jugend war ich eine notorische Leseratte und das ist auch so geblieben. Ein Bücherblog war da nur die logische Konsequenz :-) Ich habe es aber nicht beim Lesen belassen, sondern schreibe auch selber. Bisher sind einige Kurzgeschichten von mir erschienen. Da ich davon alleine aber nicht leben kann, schreibe ich auch Texte für Andere. Das Spektrum reicht von Content für Webseiten über Texte für Flyer bis zu Broschüren und Handbüchern. Außerdem übersetze ich aus dem Englischen ins Deutsche. Wenn du also einen Text brauchst, nimm mit mir Kontakt auf. mail@abs-textandmore.com

2 thoughts on “Interview mit der Autorin Birgitt Flögel

  1. Heike Böttcher sagt:

    Vielen Dank für das Interview. Jiri habe ich gelesen und fand die Thematik, wie Kinder sich mit dem Tod und Schuld auseinandersetzen, sehr spannend.
    Aber noch viel mehr hat mich der warmherzige Mütter-Roman gepackt. Den habe ich sehr gerne und sehr gefesselt in mehr wachen Nachtstunden, als mir guttaten, in einem Rutch gelesen. Meine Freundinnen haben den alle „verodnet“ bekommen.
    Ich freue mich schon sehr auf den nächsten Roman der Autorin!

    1. Hallo Heike,
      freut mich, dass dir das Interview gefallen hat. Birgitt Flögel freut sich auch bestimtt über deinen Kommentar 🙂 So begeisterte Leser liebt jeder Autor.
      Einen schönen Sonntag
      Ann-Bettina

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