Home » Interviews » Interview mit der Autorin Martina Rosenberg

Martina-Rosenberg

Mein heutiger Interview-Gast ist Journalistin und Autorin. Sie beschäftigt sich hauptsächlich mit dem Thema „Pflege“.

Guten Tag Martina Rosenberg.

Ich bin durch deinen Krimi „Ohne Moral“ auf dich aufmerksam geworden. Er spielt in einem Altenheim und dreht sich auch thematisch um die Altenpflege. Gibt es eine solche Pflegemafia wirklich oder hast du dir da eine Menge künstlerischer Freiheit herausgenommen?

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Das wäre schön, wenn ich es nur erfunden hätte. Aber leider ist das Realität bei uns. Mit der Pflege kann viel Geld verdient werden. Besonders mit der Intensivpflege. Und das hat mittlerweile auch die Mafia für sich entdeckt. Eine Weltjournalistin hat das gemeinsam mit einem BR-Journalisten aufgedeckt und bekannt gemacht vor rund zwei Jahren. Die ersten Gerichtsverhandlungen dazu hat es bereits gegeben.

Dein erstes Buch hatte ja einen sehr provozierenden Titel: „Mutter, wann stirbst du endlich? Wenn die Pflege der kranken Eltern zur Zerreißprobe wird.“ Hat dir das nicht viel Ablehnung eingebracht?

Eine berechtigte Frage und ich hatte auch etwas Bammel vor dem Erscheinungstermin. Das muss ich schon zugeben. Tatsächlich war es dann genau andersherum. Viele Hunderte Menschen schrieben mir ihre Geschichte, die mehr oder weniger meiner ähnelte, und bedankten sich für meine Offenheit. Es war so, als ob ich ein Tabuthema aufgerissen habe und sich die Gesellschaft sich plötzlich mit der Extrembelastung der pflegenden Angehörigen auseinandersetzte. So eine Art Befreiung. Endlich hat es mal jemand gesagt.

Dazwischen hast du „Wege aus der Pflegefalle: Die Eltern pflegen – ein eigenes Leben führen“ herausgebracht. Ein Ratgeber für pflegende Angehörige, oder?

Der Ratgeber ist ausschließlich für die Probleme, Sorgen und Nöte der pflegenden Angehörigen gedacht. Bisher gab es nichts Vergleichbares auf dem Markt. Kein Buch, das sich direkt an diese Gruppe richtet und Wege zur Lösung aufzeigt. Ich will den oft verzweifelten Angehörigen damit Mut machen und ihnen aufzeigen, ihr seid nicht allein.

Außerdem hast du noch „Anklage: Sterbehilfe: Machen unsere Gesetze Angehörige zu Straftätern?“ herausgebracht. Da frage ich mich ja: „Wo fängt die Sterbehilfe an? Erst wenn man eine Überdosis spritzt oder schon, wenn man einfach mal ein lebensnotwendiges Medikament ´vergisst´?“

Das war ein besonderes Buch, weil es eine reale Geschichte ist, die mich sehr berührt hat. Ein Sohn tötet seine Mutter, weil er ihr Leid und vielleicht auch sein eigenes Leid nicht mehr ertragen kann. Der Familie wurden sehr viele Steine in den Weg gelegt. Sterbehilfe fängt da an, wo man einem Anderen beim Sterben hilft. Und ja, ein lebensnotwendiges Medikament absichtlich nicht zu geben, ist auch Sterbehilfe. Kann aber – wenn der Wunsch des Betroffenen nicht klar ist – auch Totschlag sein.

Mittlerweile hast du ein Unternehmen gegründet, die Rosenberg Network GmbH, die pflegende Angehörige vernetzen und mit allen notwendigen Informationen versorgen will. Bist du sicher, dass die meisten Betroffenen überhaupt etwas davon wissen?

Gute Frage. Ein Portal bekannt zu machen ist nicht so einfach. Es braucht Zeit und vor allem Geld. Aber ich bin sicher, dass die Qualität unserer Inhalte langfristig überzeugt und sich herumsprechen wird. Wir arbeiten hart daran, uns zu vernetzen und Kooperationspartner zu finden, die zu uns passen. Die meisten Portale haben ein paar Jahre gebraucht, um bekannt zu werden. Immerhin haben uns viele Wettbewerber schon wahrgenommen und sind auf uns zu gekommen. Das heißt, wir sind bereits gut sichtbar.

Hättest du nicht inzwischen mal Lust, über ein anderes Thema zu schreiben?

Doch, die Lust dazu hätte ich wirklich sehr. Aber mir fehlt einfach die Zeit. Ich würde sehr gerne über andere gesellschaftliche Themen schreiben, die mich beschäftigen wie beispielsweise über Menschen, die ein Leben gegen den Strom leben. Ich war ja lange in der Touristikbranche unterwegs und kenne auch ein ganz anderes Leben. Viele von unseren Freunden führen immer noch ein Leben unter Palmen und leben im Süden. Es wäre doch mal ganz interessant, ob das Leben wirklich so traumhaft ist, wie wir uns das in Deutschland so vorstellen. Ganz sicher werde ich auch mal wieder einen Krimi schreiben, der dann aber nichts mehr mit Pflege zu tun hat.

Hast du Hobbys?

Aber sicher doch. Kann man ohne Hobby leben? Also da wäre z.B. mal mein Hund Sammy, mit dem ich jeden Tag in der Natur unterwegs bin. Hinzu kommt mein Islandpony, das ich schon seit 17 Jahren reite. Tatsächlich bleibt dann gar nicht mehr so viel Zeit übrig. Wenn es die Bedingungen zulassen, dann surfe ich immer noch. Allerdings meist nur im Urlaub.
Ach ja, und ich gehe wahnsinnig gerne Frühstücken.

Was liest du selber gerne?

Hauptsächlich Krimis. Das letzte Buch war von meinem Freund und Lieblingsautor Eric Berg. Ich mag seine Geschichten und seine Schreibweise. Aber ich lese auch Romane, wenn sie spannend geschrieben sind. Begeistert hat mich neulich auch das Buch „Trümmerkind“. Es ist einfach toll geschrieben und die Nachkriegszeit ist sehr authentisch wiedergegeben.

Schreibst du schon an einem neuen Buch?#

Sagen wir mal so: Ich plane gerade ein Buchprojekt.

Was möchtest du den Leser*innen sonst noch erzählen?

Ich habe es toll gefunden, wie viele meiner Leser*innen von meinen Büchern profitiert haben. Eine Menge von ihnen hat sich spontan hingesetzt und mir geschrieben. Viele davon habe ich auch Vorträgen und Lesungen getroffen. Das bedeutet mir eine Menge und gibt auch viel Kraft. Einen SPIEGEL-Bestseller zu schreiben, ist vermutlich eine ganz besondere Erfahrung, mit der ich nie gerechnet habe. Und dass ich diese Erfahrung machen durfte, noch dazu mit einem Thema, das mir sehr am Herzen liegt, bedeutet mir viel. Einen Krimi zu schreiben, war immer ein Traum von mir, den ich mir mal unbedingt erfüllen wollte. Und ganz ehrlich: Krimi schreiben, Figuren und Orte während des Schreibens zu erfinden, macht wahnsinnig Spaß. Ich hätte nichts dagegen, mich später einmal dieser Tätigkeit mehr zu widmen.

Vielen Dank für das Interview, Martina Rosenberg. Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg mit deinen verschiedenen Aktivitäten.

Dies war das letzte Autoreninterview vor der Sommerpause. Das nächste Interview könnt ihr dann am 2. September hier lesen.

Auf die Autorin bezogene Werbung:
Homepage des Info-Portals für Pflegende: https://www.pflege.pro

About

Schon in frühester Jugend war ich eine notorische Leseratte und das ist auch so geblieben. Ein Bücherblog war da nur die logische Konsequenz :-) Ich habe es aber nicht beim Lesen belassen, sondern schreibe auch selber. Bisher sind einige Kurzgeschichten von mir erschienen. Da ich davon alleine aber nicht leben kann, schreibe ich auch Texte für Andere. Das Spektrum reicht von Content für Webseiten über Texte für Flyer bis zu Broschüren und Handbüchern. Außerdem arbeite ich als Lektorin und übersetze ich aus dem Englischen ins Deutsche. Wenn du also einen Text, ein Lektorat oder eine Übersetzung brauchst, nimm mit mir Kontakt auf: mail@abs-textandmore.com
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