Interview mit dem Autor Hein Ennak

Heute habe ich einen Autor zu Gast, der Fantasy- und Kriminalromane schreibt.

Guten Tag Hein Ennak.

Dein neuestes Buch ist der Hamburg-Krimi „Pit Mattes – falsche Fünfziger“. Muss Pit Mattes sich da mit Falschgeld rumschlagen?

Moin Frau Schmitz.
Richtig, das Buch ist im April erschienen. Der Protagonist muss sich mit Plagiaten herumschlagen. Nicht mit einer bekannten Turnschuhmarke oder mit einem berühmten Parfüm, sondern mit Geldscheinen. Eine chinesische Druckerei fertigt mit großem Aufwand fast makellose Fünfzig-Euroscheine. Die sind so perfekt, dass nur speziell ausgebildete Finanzleute sie von echten unterscheiden können. Der europäische Finanzausschuss beschließt das Falschgeld im Umlauf zu lassen, zumindest so lange, bis man sie maschinell aussortieren kann. Gangster aus Frankreich, Belgien, Italien und Deutschland kaufen dieses Falschgeld in China ein und transportieren es nach Europa. Zentrale Verteilzentren dieser Blüten sind Rom, Paris, Brüssel und natürlich auch Hamburg. Es sind bereits einhundertachtzig Millionen Euro in falschen Fünfzig-Euroscheinen im Umlauf. Das sind Schätzungen der Finanzbehörden aus Frankreich, Belgien, Italien und Deutschland. Sie rechnen mit noch mehr in den kommenden Jahren. Das alles wird sehr diskret behandelt, beziehungsweise geheim gehalten. Pit Mattes steht vor einer neuen Herausforderung.

Als erstes Buch hattest Du voriges Jahr „Hein Knutzen und das Hexenhaus in Niendorf“, einen modernen Fantasy-Roman herausgebracht. Dieser Hein Knutzen ist Druide, Schriftsteller und Chef einer Detektei. Warum muss der arme Kerl drei Jobs machen?

Auch ein Druide muss für seinen Lebensunterhalt Geld verdienen. Hein Knutzen kann gut mit Menschen umgehen, ist neugierig, ist gerechtigkeitsliebend, kann sich schnell in die Psyche seiner Klienten hinein versetzten und er kann seine Eigenschaft als Druide einsetzen. Darum war es naheliegend, dass er Detektiv wurde.
Knutzen kann aber auch ganz spannend seine erlebten Geschichten erzählen, und so wurde er von einem Geschichtenerzähler zum Schriftsteller.
Eigentlich handelt es sich gar nicht um einen richtigen Fantasy-Roman. Mehr um einen Hamburg-Krimi mit einem Druiden, der ein paar besondere Fähigkeiten besitzt. So wie andere Menschen gut zuhören können, einen „Grünen Daumen“ haben oder schon voraussehen können, was passieren wird. Und wie oft sagen wir: »Das ist aber eine Hexe!«

Beide Bücher spielen in Hamburg, wo du ja heute auch wohnst. Bist du Hamburger oder was hat dich in die Stadt gezogen?

Geboren bin ich in Nordrhein-Westfalen, lebe und wohne mit meiner Frau seit fast vierzig Jahren in Hamburg. Hamburg ist weltoffen, modern, kulturreich und was ich besonders schätze; Hamburg ist grün und nicht so ein Betonklotz wie z. B. Frankfurt.
In meinen Büchern fliest immer etwas von Hamburg ein. Ich recherchiere recht gründlich und aufwendig. Ich besuche meine Schauplätze und mache Fotos von den Orten. Die Buslinien und die S- und U-Bahnen im Buch gibt es in Hamburg wirklich. So war ich für „Pit Mattes – falsche Fünfziger“ in Hamburg-Eppendorf bei der Gerichtsmedizin und habe mich mit Prof. Dr. Püschel über Abläufe in der Gerichtsmedizin unterhalten.

Deine beiden Protagonisten Hein Knutzen und Pit Mattes sind unter anderem Schriftsteller. Sind sie dein Alter Ego?

Nein, das war mehr oder weniger Zufall. Da ich einen betriebswirtschaftlichen Beruf ausübte und nicht Kriminologie studierte, sind meine Hauptfiguren auch keine Polizisten oder Kriminalpolizeibeamte. Sie sind Hobbykriminalisten, die nicht alles wissen und die nicht wie im Tatort agieren müssen. Sie sind Kriminal-Schriftsteller geworden, denn diese müssen wie ein Detektiv denken, kombinieren und Rückschlüsse ziehen.

Wenn ich das richtig sehe, schreibst du erst seit deinem Ruhestand Unterhaltungsliteratur. Vorher hast du aber schon Fachbücher geschrieben. Warum mussten Krimi und Fantasy so lange warten?

Ich war Controller in einem großen Unternehmen. Eine Aufgabe mit ständig neuen Herausforderungen. Und, du kannst es dir vielleicht nicht vorstellen, die Arbeit hat bis zum Schluss Spaß gemacht. Dieser Lebensabschnitt hatte seine eigene Zeit. Die Artikel und Bücher, die ich schrieb, waren alle fachbezogen und sachorientiert.
Heute bin ich in einem neuen Abschnitt und stelle mich anderen Herausforderungen. Bisher hatte ich jedenfalls noch keine Lust einen Wirtschaftskrimi zu schreiben. Kommt vielleicht noch.

Deine Bücher sind bei BoD herausgekommen. Aus Überzeugung oder dauerte dir das Suchen eines klassischen Verlages nur einfach zu lange?

Na ja, beides. Ich versuchte, vielleicht auch nur halbherzig, einen klassischen Verlag zu finden. Von fünfzehn Bewerbungen bekam ich sechs Absagen und das erst nach drei oder sechs Monaten. Die anderen schickten nicht einmal eine Eingangsbestätigung. Bei meinen Fachbüchern machte ich mit BoD gute Erfahrung. Also …
Ich glaube, es spielt auch eine Rolle, dass man das Buch auch raus haben möchte, wenn ein fertig geschrieben ist.

Was liest du selber gerne?

Das kann man gar nicht mit einem Satz beantworten. Grundsätzlich lese ich alles, was irgendwie mein Interesse weckt. Dazu gehören Fachliteratur, Reiseberichte oder Biografien. Aber ich glaube, deine Frage zielt in eine andere Richtung. Mehr in Richtung Unterhaltung.
Zuletzt las ich; »Das Labyrinth von London« von ›Benedict Jacka‹, »HEX« von ›Thomas Olde Heuvelt‹ und »Buchwächter« von ›Andreas Hagemann‹ aus dem Bereich Fantasy. Und »Mord im Paradies« von ›Robert Thorogood‹, »Tig3r« das zweite Buch von ›Nicholas Petri‹, die beiden Bücher »Lost in Fuseta« von ›Gil Ribeiro‹ und »Inspektor Takeda und der lächelnde Mörder« von ›Henrik Siebold‹, las ich im Genre Krimi und Thriller. Es waren einige mehr, aber diese hier, sind Bücher, über die man sprechen oder diskutieren könnte.

Hast du noch andere Hobbys?

Ja, Fotografie. Hier in Hamburg finde ich dafür viele Gelegenheiten. Da bieten sich zum Beispiel der Hafen, die botanischen Gärten und der Tierpark Hagenbeck an.

Du schreibst ja schon an einem weiteren Buch „Pit Mattes – Kaperfahrt“. Kannst du uns dazu schon etwas verraten?

Das Lied von »Santiano: Alle die mit uns auf Kaperfahrt fahren, müssen Männer mit Bärten sein«, ist nicht der Hintergrund zu diesem Buch, obwohl Jan und Hein und Klaas und Pit auch in dem Buch vorkommen. Die Idee zum Buch kam mir durch eine Zeitungsmeldung im Hamburger Abendblatt. Dort wurde berichtet, dass der Hamburger Zoll und das Rausgiftdezernat in 2017 fast eine Tonne reines Kokain sichergestellt hatten. Der Straßenpreis für Kokain hat sich aber nicht verändert. Die Behörden vermuten, dass die sichergestellte Menge lediglich 10% der Gesamtmenge war, die über den Hafen nach Hamburg kam. Also, es geht um Schmuggelware aus Kolumbien, die nach Hamburg kommt und um rivalisierende Gangstergruppen. Der Text ist fertig, und ich habe ihn in der vergangenen Woche an meine Testleser gegeben.

Was möchtest du den Leser*innen sonst noch erzählen?

Da würden mir eine Menge Themen einfallen. Aber etwas liegt mir besonders am Herzen. Lesen! Ja, Lesen ist die Quelle unserer Fantasie und Basis unserer Sprache. Und damit meine ich nicht die verstümmelte SMS, die »WhatsApp-Meldung« mit oder ohne Emojis, den Facebook-Blog und so weiter. Die geschriebene Sprache, der Text einer Geschichte, der Inhalt eines Buches sind die Bausteine unseres Wissens, unserer Gesellschaft, unserer Fantasie. Gebt den Kindern und Jugendlichen die Chance Bücher zu lesen, damit sie lernen, mit der Macht der Sprache umzugehen.

Vielen Dank für das Interview, Hein Ennak. Ich wünsche dir weiterhin viel Spaß und Erfolg mit deinen Büchern.

Danke, und danke für dein Interesse an meinen Büchern.

Auf den Autor bezogene Werbung:
Autorenhomepage: http://www.hein-ennak.de/Home