Home » Interviews » Interview mit der Autorin Tanja Bruske

tanja-bruske

Heute habe ich wieder eine Autorin zu Gast, die mir durch ihr Buch aufgefallen ist. „Leuchte“ ist ein historischer Mystery-Krimi.

Guten Tag Tanja Bruske.

Hallo Ann-Bettina, schön, dass Du mich interviewen möchtest!

Dein Roman „Leuchte“ hat mir sehr gut gefallen. Wie bist du auf die Idee zu so einer ausgefallenen Genre-Mischung gekommen?

leuchte

Am Anfang ging es mir hauptsächlich um die historische Geschichte, die mich bereits als Kind fasziniert hat. Als ich etwa zehn Jahre alt war, gab es in unserem Dorf eine 1150-Jahr-Feier, in der die Geschichte um Schultheiß Mörschel und auch der Frauenmord eine gewisse Rolle spielte. Das fand ich natürlich unheimlich spannend. Als ich später ernsthaft zu schreiben begann, dachte ich immer, dass ich diese Geschichte mal erzählen will. Als ich die Outlander-Bücher von Diana Gabaldon für mich entdeckte, hatte ich die Idee, wie sie eine Zeitreisende „loszuschicken“, um die Abenteuer, die mir vorschwebten, zu erleben.

Besonders beeindruckt hat mich die total realistisch wirkende Beschreibung des Lebens und der Heilmethoden im Mittelalter. Hast du dich selber zur Expertin für mittelalterliche Medizin entwickelt oder hattest du dafür einen fachkundigen Berater?

Ich habe mir da viel selbst erlesen, hatte aber auch tolle Experten an meiner Seite, die mir geholfen haben – etwa eine Studienkollegin, die Geschichte studiert hat, oder befreundete Polizisten. Für den dritten Teil, „Fratzenstein“, habe ich die Schwester einer Freundin gelöchert, die Medizin studiert hat.

Im zweiten Teil der Trilogie „Tod am Teufelsloch“ wird die Protagonistin Lisa schon wieder in die Vergangenheit versetzt. Was fasziniert dich an dem Thema Zeitreise so?

teufelsloch

Naja, die Geschichte um Lisa musste ja weitergehen, und deswegen musste sie natürlich wieder durch die Zeit geschleudert werden. 🙂 Aber Spaß beiseite, ich finde es toll, die Vergangenheit durch die Augen einer Frau von heute zu sehen. Eigentlich ist es ja ehrlich gesagt auch gar nicht anders möglich, die Vergangenheit zu beschreiben – schließlich weiß keiner von uns, wie es damals wirklich war. In vielen historischen Romanen, die ich gelesen habe, stört mich, dass sich die Hauptfiguren eigentlich viel zu modern verhalten. Lisa hat zumindest einen Grund dafür.

Der Abschluss der Trilogie, der Roman „Fratzenstein“ ist dieses Jahr erschienen. Geht es darin auch wieder um (lokale) Berühmtheiten?

fratzenstein

Ja, Lisa trifft sowohl auf alte Bekannte als auch auf Berühmtheiten, die nicht nur in Gelnhausen, wo das Buch spielt, ein Begriff sind. Es sind ein paar sehr große Namen dabei (ich verrate jetzt nicht, welche), aber auch ein paar, die man als Laie gar nicht kennt. Die Begegnungen mit diesen eher unbekannten historischen Personen zu beschreiben hat mir oft sehr viel Spaß gemacht. Zum Beispiel das Treffen mit René Laënnec, einem französischen Arzt, der das Stethoskop erfunden hat. Als ich über ihn recherchiert habe, habe ich mich die ganze Zeit gefreut, weil er einfach so gut in den Roman gepasst hat. Ähnlich war es bei der Geschichte von Francois Fournier und Pierre Dupont, auf die ich per Zufall in einem Buch über unnützes Wissen gestoßen bin (solche Bücher liebe ich) und die ebenfalls perfekt in meinen Roman passten. Ich lerne immer sehr viel bei meinen Recherchen.

Dein erster Roman „Das ewige Lied“ hat 2007 gleich einen Preis gewonnen: „Hessens verheißungsvollstes Manuskript“ des Radiosenders FFH. Erzähl uns doch etwas darüber.

Ich war gerade auf dem Weg zum Sonntagsdienst in der Redaktion, in der ich arbeite, als ich im Radio von dem Wettbewerb hörte. Wegen der Buchmesse riefen sie die Leute dazu auf, unveröffentlichte Manuskripte an sie zu senden. Ich dachte noch: „Zu dumm!“, denn mir fiel das unveröffentlichte Manuskript auf meinem Computer ein – aber ich musste ja arbeiten … Zum Glück hat mein damaliger Freund und heutiger Mann die Radiosendung auch gehört und das Manuskript per E-Mail ins Radiostudio geschickt. Und Wochen später – ich dachte schon gar nicht mehr daran – erhielt ich einen Anruf, dass ich gewonnen hatte und FFH das Buch bei Books on demand veröffentlichen würde. Das war natürlich eine tolle Bestätigung und ein Ansporn für mich.

Nach diesen Büchern würde man ja annehmen, dass du Geschichte studiert hättest. Das stimmt aber nicht. Du hast Germanistik sowie Theater-, Film- und Medienwissenschaften studiert. Wolltest du schon immer Schriftstellerin werden?

Ich wollte zumindest immer schreiben. Ich habe schon früh herausgefunden, dass mir das Spaß macht. Mein Vater erzählt immer, dass ich ihn in der Grundschule mal fragte, was man denn für einen Beruf lernen kann, wenn man gut schreiben kann. Er sagte zu mir: Autorin oder Journalistin. Da beschloss ich, beides zu werden J Um Journalistin zu werden, kann man im Prinzip studieren, was man will – Hauptsache, man hat einen Studienabschluss und kann sich dann damit für ein Volontariat, also eine journalistische Ausbildung, bewerben. Deswegen habe ich studiert, was mir Spaß macht: Neue deutsche Literatur, Kinder- und Jugendbuchforschung und Film- und Medienwissenschaften waren meine Schwerpunkte.

Unter einem Pseudonym schreibst du auch sozusagen das Gegenteil, nämlich einen Genre-Mix aus Science-Fiction, Fantasy und Grusel. In welcher Zeit spielt den Maddrax?

Du hast recht, ich bewege mich schriftstellerisch quasi in gegensätzliche Richtungen auf der Zeitachse – bei der Kinzigtal-Trilogie 200 Jahre in die Vergangenheit und bei „Maddrax“ 500 Jahre in die Zukunft. Seine Geschichte spielt allerdings, wie der Untertitel sagt in der „dunklen Zukunft der Erde“. Nach einem Kometeneinschlag ist die Erde völlig verwüstet und die Menschheit teilweise in Barbarei verfallen – im Prinzip primitiver als 1791. Aber es gibt auch richtige Science-Fiction-Elemente mit Raumschiffen und Außerirdischen. Es macht mir viel Spaß, meine Kreativität in diesen beiden Extremen austoben zu können. Gegenwartsliteratur zu schreiben wäre nichts für mich, unsere Jetzt-Zeit habe ich schließlich jeden Tag live.

Außerdem schreibst du auch an einer reinen Science-Fiction-Serie mit. Das scheint ja eine ziemlich kriegerische Angelegenheit zu sein. Um was geht es in dieser Serie?

In „Deinoid“ sieht es auf der Erde anders aus: So, wie man sich die Zukunft im Jahr 2615 vorstellt, alles sehr modern. Aber die Menschheit hat einige Fehler gemacht – unter anderem den, ein Volk von genetisch manipulierten Sklaven heranzuzüchten. Diese „Deinoiden“ lehnen sich schließlich gegen ihre Schöpfer auf, und auch weitere Parteien schalten sich in den Konflikt ein. In dem Roman, den ich beisteuern durfte, „Silla“, spielt eine Doppelagentin namens „Shenmi“ eine entscheidende Rolle, eine Art moderne Mata Hari – eine faszinierende Figur, die ich sehr mag und über die ich hoffentlich noch weiter schreiben darf.

Schreibst du schon an einem neuen Buch?

Ich muss jetzt erst noch ein bisschen was für „Maddrax“ tun, aber ich habe bereits eine sehr konkrete Idee für eine neue Serie, an der ich gerade feile. Es wird wieder in die historische Richtung gehen, vielleicht noch etwas mehr phantastische Elemente enthalten.

Was möchtest du den Leser*innen sonst noch erzählen?

Puh, Du hast schon so umfassend gefragt … Vielleicht ist es noch interessant, dass ich auf meiner Homepage www.tanjabruske.de immer versuche, aktuelle Infos zu posten wie Termine für Lesungen oder andere interessante Entwicklungen. Und in der Vorweihnachtszeit wartet eine kleine Überraschung auf Fans der Kinzigtal-Trilogie.

Vielen Dank für das Interview, Tanja Bruske. Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg.

About

Schon in frühester Jugend war ich eine notorische Leseratte und das ist auch so geblieben. Ein Bücherblog war da nur die logische Konsequenz :-)
Ich habe es aber nicht beim Lesen belassen, sondern schreibe auch selber. Bisher sind einige Kurzgeschichten von mir erschienen.
Da ich davon alleine aber nicht leben kann, schreibe ich auch Texte für Andere. Das Spektrum reicht von Content für Webseiten über Texte für Flyer bis zu Broschüren und Handbüchern. Außerdem arbeite ich als Lektorin und übersetze ich aus dem Englischen ins Deutsche. Wenn du also einen Text, ein Lektorat oder eine Übersetzung brauchst, nimm mit mir Kontakt auf: mail@abs-textandmore.com

2 Replies to “Interview mit der Autorin Tanja Bruske”

  1. Hallo Ann-Bettina!
    Klasse, dass du Tanja Bruske vorstellst. Die Bücher sind wirklich sehr empfehlenswert! Leicht und locker geschrieben mit gut recherchierten historischen Begebenheiten. Und das Beste:
    Hier im Main-Kinzig-Kreis kennt man natürlich die Örtlichkeiten und diese bekommen nochmal eine andere Aufmerksamkeit geschenkt.
    Herzliche Grüße aus der Hohen Tanne
    Heidi Gebhardt

    1. Hallo Heidi,
      kann ich mir gut vorstellen, dass es für „Einheimische“ noch spannender ist, die Bücher der Kinzigtal-Trilogie zu lesen. Mich begeistert die vollkommen authentisch wirkende Beschreibung der Lebensumstände. Ich kann mich daher deiner Empfehlung voll und ganz anschließen.
      Wünsche dir noch einen schönen Sonntag
      Ann-Bettina

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